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Am Wochenende hatte ich eine spannende kleine Weinprobe – nicht nur, weil es mal wieder ein „Heimspiel“ nach langer Zeit war, sondern weil der Jahrgang 2011 zunächst mit einer Katastrophe beanng: Am 4 Mai 2011 vernichtete Frost einen Großteil der Triebe. Im Herbst ernteten die Winzer 70 Prozent weniger Menge. Ich habe die restlichen käuflichen Drittel probiert. Jetzt ist weder Anbaugebiet noch Genossenschaft Stammgast in Top Rankings und auch nicht „Bio“, aber ich verbinde damit so viele Erinnerungen und kenne den Wein vom ersten Trieb im Frühjahr bis zum Ausbürsten des leeren Fasses. Hier gilt mein Spruch: „Einblick ist besser als Label und Zertifizierung.“

Nun aber zu den Weinen:

Markelsheim ist Tauberfranken; und dort gehört der Silvaner zum Standard. Leicht, frisch, direkt – passt zu Spargel und Fisch, hält sich aber auch sehr gut beim Grillen oder bei einem gemütlichen Abend mit Sonnenuntergang im Garten. Ich habe die zwei Kabinett-Varianten vom Probstberg gegeneinander antreten lassen (beide sind derzeit für rund 5 Euro zu bekommen).

Markelsheimer Propstberg Silvaner Kabinett trocken 2011:

Ein typischer tauberfränkischer Silvaner: frisch, trocken, direkt, ehrlich – ohne Schnickschnack (ja, das ist kein Begriff aus dem Aromarad) – für Spargel und zum Grill, wenn es warm wird – nicht mehr und nicht weniger. Allein aus persönlich-historischen Gründen konnte ich diesem Wein nicht widerstehen: Ich steckte meinen Zinken ins Glas und der Duft der Blume war so, wie ich ihn im Kopf hatte, als ich vor Jahren als Steppke mit meinem Vater beim Weinkauf zum ersten Mal die Keller betrat. Alkoholgehalt: 12,0% vol. Säure: 5,5g/l Restzucker: 4,1g/l

Markelsheimer Propstberg Silvaner Kabinett 2011:

Wem die trockene Variante zu frisch und direkt ist, bietet sich die blumg-harmonische Variante an. Funktioniert genauso zu Spargel und gefällt denjenigen eher, die sonst eher aromareichere Weine oder Rotweine trinken. Beim ersten Spargelessen der Saison werde ich beide anbieten. Alkoholgehalt: 11,0% vol. Säure: 5,7g/l Restzucker: 13,9g/l

Beide Silvaner sind leicht genug für einen langen, warmen Frühjahrs- und Sommerabend. Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, bei dem man kein schlechtes Gewissen bekommt.

Markelsheimer Tauberberg Schwarzriesling Kabinett trocken 2011

Schwarzriesling ist der „Urburgunder“ und ebenfalls für die Region typisch. Nun bin ich eigentlich kein Freund junger Rotweine, doch dieser Schwarzriesling hat mich überzeugt. Farbe, Blume und auch im Abgang spricht die Jugendlichkeit, aber man spürt schon die Anklänge eines größeren Rotweins. Damit hat er es in mein Sortiment geschafft, damit ich auch mal einen „Jungen“ anbieten kann. Seit April ist er verfügbar und stellt problemlos beispielsweise den Rotwein der gut vermarkteten und dekorierten „Jungen Frank’n“ aus 2011 in den Schatten, die ich anschließend zu Hause im direkten Vergleich nochmals verkostet habe. Wozu braucht man noch die teuren „Primeurs“? Alkoholgehalt: 13,0% vol. Säure: 4,1g/l Restzucker: 5,1g/l

Markelsheimer Tauberberg Müller-Thurgau QbA 2011

Und dann gab es noch eine Überraschung: Weder wollte ich einen Müller-Thurgau (Rivaner) probieren, noch hatte ich mich um die Qualitätsstufe „QbA“ geschoren. „Der ist der Renner bei den aktuellen Weinproben.“ …okay, dann doch: einen guten Kochwein braucht man ja auch. Aber diesen Müller-Thurgau kann man auch mal einfach so trinken: frisch und kräftig. Ansonsten gibt es für unter 5 Euro pro Liter nur industrielle Massenware. Alkoholgehalt: 11,5% vol. Säure: 5,9g/l Restzucker: 14,4g/l

Und obligatorisch habe ich natürlich die Seccos nachgekauft, die ich jetzt auch in meine Favoritenliste aufgenommen habe. Ich freue mich auf die Spargelsaison!

P.S.: Ich habe hier nur die Highlights beschrieben…

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