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Martiniwagen auf der Golden Gate BridgeSeit weit mehr als zehn Jahren verbinge ich nun regelmäßig Zeit in den USA. Beim Essen habe ich dort meist viel gelitten. Jetzt habe ich bei meiner aktuellen Reise durch die Staaten Kalifornien, Nevada, Utah und Arizona etwas bewusster das Essen unter die Lupe genommen.

Ein Trend setzt sich fort: ökologischer, naturnäher, lokaler und unabhängiger. „All Natural“, „Free Range and Home Fed“, „No GMO“ – das sind nur einige Attribute, die immer häufiger zu lesen sind. … Übrigens auch in den Supermarktregalen.

Burger – immer noch ein Grundnahrungsmittel
Die Burgerketten bestimmen immer noch das Straßenbild, aber auch hier setzt sich der Trend durch: gentechnikfrei, ökologisch, lokal und unabhängig. Über eine Auswahl habe ich bereits berichtet. Bei Seafood lese ich häufig von den Listen des Monterey Bay Aquariums. Auch davon habe ich bereits berichtet.

SmokehouseNur ansatzweise hat sich das in der verfressenen Masse bisher durchgesetzt. Ein Beispiel aus dem Rancher-Städtchen Panguitch in Utah: Das Cowboy’s Smokehouse Café bietet – wie der Name schon sagt – heißgeräucherte Gerichte an. Geschmacklich sehr fein, manches Fleisch könnte etwas saftiger sein, aber es passt alles herrlich zur gelebten Retro-Atmosphäre. Auf der Gastro-Plattform Yelp kommt das Smokehouse teils nicht so gut weg. Hier bemängeln Gäste, dass es keine Burger gibt. Oder, dass die Portionen nicht sonderlich groß seien (man sei aber satt geworden). Oder, dass ein Gericht nicht mehr zu haben war oder lange gedauert hat (bei über Stunden geräucherten Waren würde ich erst gar nicht auf die Idee kommen, darüber zu meckern!)

Zum Thema „massige Massen“ tobt seit einigen Wochen ein „War on Sodas„. Politiker wie der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg wollen gesetzlich gegen süße Softdrinks vorgehen, weil sie aus ihrer Sicht für Übergewicht verantwortlich sind? Fast-Food-Ketten und Getränkekonzerne laufen Sturm. Die Kommentarspalten füllen sich.

Lokal lokal
Ich bin vielen Beispielen begegnet, die sich mit Engagement der Macht der großen Lebensmittel- und Gastro-Konzernen entziehen. Noch einmal ein Beispiel aus Panguitch: Gleich neben dem Smokehouse hat eine Gruppe Einwohner ein zerfallenes Kino wieder aufgebaut und betreibt es freitags und samstags. Dort untergebracht ist auch das Eiscafé „Scoops from the past„, das ihr selbst gemachtes Eis und Shakes im 50er-Jahre-Stil verkauft. Geschlabbert wird es dann bei der Filmvorführung. Eine knappe Tagesfahrt weiter im Kaff Mexican Hat sitze ich dann neben einem riesigen gusseisernen Schwenkgrill (vom Grillmeister selbst zusammengeschweißt) mit mächtigen Steaks darauf, Kakteen im Hintergrund, die staubige Straße vorn. „Swingin Steak“ heißt der Anhang zur Mexican Hat Lodge. Grillmeister BobNeben dem Grillmeister Bob mit Cowboyhut quäkt der CB-Funk. Vorne knattern einige Harleys vor – wenn es Pferde und Cowboys wären, hätte ich mich auch nicht gewundert. (PS.: Es gibt in der Tat Übernachtungsangebote für Pferde dort!)

Dazu passen auch die wenigen Bed & Breakfast. Sie sind in den USA kaum verbreitet und im Vergleich zu Motels auch teurer. Aber fast immer bekommt man ein gutes Frühstück (das ist sehr viel wert) mit individuellen Rezeptvariationen – zum Beispiel Almond Pancakes im Red Brick Inn in Panguitch oder Chilli-Pfirsich-Brotaufstrich aus dem eigenen Garten des Amber Inn in Rockville, UT, am Eingang zum Zion National Park.

Tschechien mag das Pils erfunden haben,aber … weiter gut entwickelt hat sich die lokale Bierkultur: Viele sogenannte Microbreweries (kleine lokale Brauereien) kommen, halten sich und produzieren allerlei spannende Biere. Häufig sind diese deutlich stärker (6 % und mehr sind keine Seltenheit) als die bekannten Industriebiere. Die Brauereiausschänke sind meist selbst Spezialitäten: In der Island Browning Company, Carpinteria, CA, nur zwei Blocks vom Pazifikstrand entfernt treffen sich Surfer und Avocado-Bauern in der Abendsonne. Das „Cruisers„, Williams, AZ, serviert Burger, BBQ und Route 66 Atmosphäre zum eigenen Grand Canyon Brew.„Amis“ und der Alkohol
Nach einer anstrengenden Wanderung stehe ich vor der Bedienung und möchte mich für ein erfrischendendes Bier auf die Terrasse setzen. Geht nicht, bekomme ich als Antwort. In Utah gibt es ein Gesetz, wonach nur zum Essen Alkohol ausgeschenkt werden darf. Immerhin gibt es endlich legal Alkohol im Mormonenstaat. Die Brauerei Wasatch piesackt die Obrigkeit mit ihrem 1st Amendment Lager und der Legende, sie hätten in Anspielung an die Boston Tea Party ihr erstes Fass Bier aus Protest gegen die restriktive Gesetztgebung in den Großen Salzsee gekippt.

Kalifornien ist dagegen fast liberal: in San Diego erkenne ich die Läden, die Alkohol ausschenken am Zaun auf dem Bürgersteig. Innerhalb des Zauns darf ich auf der Straße trinken – welch Freiheit!

Umso heftiger gestalten sich dann die Ausfälle der trinkenden Kundschaft in Las Vegas, NV. Selbst offen auf der Straße ist Alkohol dort erlaubt (und günstig, um die Casino-Kundschaft gefügig zu machen). Flaschen und überdimensionierte Cocktailbecher bestimmen das Straßenbild, bis in den frühen Morgenstunden die Polizeistreifen zuhauf über den Strip zu ihren Einsätzen jagen. Da liegen die Flaschen bereits schon am Straßenrand.

Auch in Arizona ist es mit der Alkoholgesetzgebung so eine Sache – allerdings mehr für den Anbieter. Teure Lizenz und hohe Preise – der Inhaber des ältesten Hotels von Arizona in Williams bietet trotzdem Bier und lokale Weine an – für die Atmosphäre, nicht fur den Profit. Ich habe dem Grand Canyon Hotel und seinem Bier- und Weinangebot einen eigenen Beitrag gewidmet.

Apropos Wein: Vorsicht ist geboten. Den leichten Trockenen musste ich suchen. Als Empfehlungen kamen regelmäßig nur halb trockene oder liebliche Weine, die mit Aromen überladen sind. Die Preise sind häufig stolz. Amerikanische Geschmacksnerven sind eben süß gewohnt.

Qualität und Quantität
Kulinarisch interessant sind die Buffets in Las Vegas. Sehr viel probieren, meist in guter bis sehr guter Qualität – man muss all-you-can-eat ja nicht wörtlich nehmen. Abschreckende Beispiele sitzen garantiert in Sichtweite. Also doch das Kobe-Rind auf der Zunge zergehen lassen oder was Frisches aus der Patisserie.

Trink-Klischees
Über Deutsche und ihr Trinkverhalten sorgen Klischees für gehörig Respekt. Nicht nur trinken wir ständig und viel sondern vor allem im Auto (wahrscheinlich bei 200 km/h auf der Autobahn)! Mein Lieblingsklischee habe ich jedoch von einer Bedienung gehört. Nachdem er mir ein lokales Weizenbier gebracht und erfahren hatte, dass ich Deutscher war, fragte er mich, ob ich das Bier überhaupt trinken könne. „Warum das.“ fragte ich. „Naja,“ meinte meine Bedienung. „Deutsche trinken Weizenbier doch immer warm.“

Steak und Polygamy Porter

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