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Anfang Juli hat der Europäische Gerichtshof geurteilt, dass Bauern ihr eigenes Saatgut verwenden und verkaufen dürfen. In den Medien ist dabei meist von „Alten Sorten“ die Rede. (Finde ich etwas irreführend, denn es handelt sich um Sorten, die nicht von irgendeinem Konzern eingetragen und/oder amtlich zertifiziert wurden). Das Urteil findet ihr hier.

Warum ist das Urteil – wenn auch nicht in der gewünschten Deutlichkeit und Präzedenzwirkung – wichtig? In der EU (wahrscheinlich auch anderswo, das habe ich aber nicht geprüft) muss das gesamte Saatgut für Lebensmittel eingetragen werden. Alles andere darf nicht verkauft werden. Der Eintragungsspaß ist teuer, weswegen es sich vor allem die Konzerne leisten können – oder umgekehrt: Kein Eintrag der Sorten von kleinen Bauern oder Zusammenschlüssen, keine Aussaat, keine Auswahl. Ein gut funktionierendes Machtmonopolinstrument für (Lebensmittel)-Konzerne. Das Urteil bestätigt das zwar, stellt aber auch die Ausnahmen für die „Alten Sorten“ klar.

Diese nicht eingetragenen Sorten machen rund 30 Prozent des Saatgutmarktes aus und werden vor allem von Genossenschaften und Einzelpersonen bestritten. Eine Liste dieser Sorten gibt es meines Wissens nicht (ich habe bei meiner Recherche nichts gefunden), was logisch erscheint. Also versuche ich hier mal Startpunkte zu liefern für den nächsten Einkauf und der Suche nach Vielfalt.

Die 461 Sorten der französischen Kooperative Kokopelli, um die es in der EuGH-Verhandlung ging, gibt es online zu kaufen und einzusehen.

In Deutschland gibt es eine Saatgutkampagne, die verschiedene Bezugsquellen aufführt. Onlineshops diverser Initiativen wie „Autarke Welt“ bieten Saatgut in Gebinden für den Hausgebrauch an. Und dann auch engagierte Privatpersonen wie Gerhard Pohls Privates Samenarchiv (Er hat keinen Internetauftritt, aber Infos gibt es an diversen Stellen wie garten-pur.de).

Und kann ich jetzt etwas für Artenvielfal tun? Ja, ähnlich, wie ich es schon einmal in einem Beitrag zum bewussten Einkauf beschrieben hatte: Einfach nach einer diesen Sorten in den Obst- und Gemüselständen und -Läden fragen und bestellen (wollen). Die Nachfrage bestimmt das Angebot … auch wenn’s dauert.

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