Schlagwörter

Wenn die Tage grau sind – irgendwo zwischen goldenem Herbst und erstem Frost unter strahlend blauem Himmel – lese ich gerne auf der Couch. Für Viva Culinaria habe ich mal einige kulinarische Krimis zusammengestellt. 2012 scheint es ja auch so etwas wie ein Trend-Genre geworden zu sein. Neu ist es aber nicht:

Aufgeschlagenes Buch mit Wein und FlascheEin Journalist und Autor, der sich nach einigen Sachbüchern neu am kulinarischen Krimi versucht, ist Carsten Sebastian Henn. Nah dran, weil Weinjournalist und Winzer, schickt er den Kulinaristik-Professor Adalbert Bietigheim in „Die letzte Reifung“ auf Mördersuche im Burgund. Ein Typ, den man genauso hasst und fremdschämend verfolgt wie den Rechtsmediziner Boerne aus dem Münsteraner „Tatort“. Viel Wein, viel Käse, viele Tote. Viele Akteure sind klischeebehaftet gezeichnet, aber wir wollen ja leckere Lektüre und keine schwere Kost (Witzig: Die Seminarunterlagen des Professors finden wir am Ende des Romans)

Tom Hillenbrand, noch ein Journalist, hat bereits zweimal den luxemburgischen Koch Xavier Kieffer ermitteln lassen. In „Teufelsfrucht“ bricht dem gescheiterten Sterne-Koch ein Restaurantkritiker in Gastraum tot zusammen, und er lernt die Welt der Aroma-Scouts und industrieller Lebensmittelbearbeitung kennen. im zweiten Fall „Rotes Gold“ sucht er den Mörder eines Kollegen inmitten der Thunfisch-Fischerei. Die Geschichten haben einen Hang zum Thriller, sind gut zu lesen und bieten einige Details zur Lebensmittelindustrie. Die Charaktere – allen voran Protagonist Kieffer – sind bisher eher oberflächlich, leicht klischeehaft und etwas widersprüchlich ausgearbeitet (etwa, wenn der kettenrauchende, übergewichtige Koch zwei ehemaligen Fremdenlegionären davon rennt oder zum Traummann der jungen, reichen, hübschen, dynamisch-sportlichen Verlags-Erbin wird). Gute Unterhaltung allemal.

Schon seit Jahren unterwegs ist Küchenchefin Katharina Schweizer. Ob „Himmel und Ääd„, „Leichenschmaus“ oder „Bienenstich“ (es gibt noch mehr), immer lässt Autorin Brigitte Glaser aus dem Umfeld der Spitzengastronomie heraus ermitteln. Und am Ende gibt es passenden Rezepte. Guten Appetit! (Übrigens: Die Romane laufen meist unter Regionalkrimis und deshalb trotz gleich bleibender Protagonistin mal als „badisch“ und mal „kölsch“)

Einen Leserinnen-Hinweis ergänze ich an dieser Stelle: Angela Eßer liefert Bayrische kulinarische Krimis ab. Den Hinweis dazu habe ich auf Facebook bekommen. Wenn sie nicht schreibt, bietet sie Kochkurse an.

Dieser Wein der AuswahlPix hat Aromen von schwarzen Beeren und ist würzig – er passt zu Schmorbraten im Gemüsebett oder einem spannendem Buch am Winterabend (Etikett des Pix Spätburgunder 2008, trocken – meine Weinempfehlung zum Krimi-Lesen)

Mit dem bezeichnenden Wortspiel „Chef de Police“ kommt Gourmet und Polizeichef Bruno daher. Man merkt die Herkunft von Martin Walker (Schotte, der in der Provence lebt und im Politikbetrieb der USA arbeitet(e)) in den Romanen: gute Wein mit (Polit)-Thriller. Je mehr Bruno ermittelt, desto stärker wird dieser Trend, zuletzt im vierten Fall namens „Delikatessen„.

Und dann war da noch der Thriller „Lautlos“ von Frank Schätzing, in dessen Verlauf Whiskey im Wert von deutlich dreistelligen Preis-Summen konsumiert werden. Beim Lesen auf Dauer etwas nervig ist die Art, wie Schätzing in seinen Romanen regelmäßig seine umfassende Recherchearbeit mit einem leichten Hang zur Selbstverherrlichung zum besten gibt (wir glauben doch auch so, dass man Romane nicht einfach so schreibt), im Fall der Whiskeys kann ich aber eine schöne Einkaufsliste zusammen stellen. Slainte!

PS: Wer Krimis ganz ohne kulinarische Ambitionen lesen will: der Allgäuer Kommissar Kluftinger findet außer seinen Kässpatzen mit Röstwiebeln alles doof!

Advertisements