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Wie jede größere Stadt hat auch Köln einen Gastroführer, der in der Masse der Angebote eine Orientierung bieten will. In Köln heißt er TagNacht. Mit der 3/12 hatte ich verglichen, ob ich mit der Bewertung der Läden in meinem Wohnzimmer (also Köln-Deutz) übereinstimme. Seither flege ich die Seite von Zeit zu Zeit. Als „Schälsick“ wird man von einer linksrheinischen Publikation ja gern als „arm“ belächelt. Und ja, ganz einfach ist es nicht, aber lest selbst. Hier mal alphabetisch. Stand Oktober 2016.

bona’me: Mit der Sanierung des ehemaligen Lufthansa-Hochhauses zum Lanxess-Firmensitz hat die orientalisch-türkische Variante des Vapiano-Konzepts in Deutz Einzug gehalten. Wie auch das Vapiano sind die Gerichte preislich teils ambitioniert, dafür dass es keinen Service gibt. Empfehlenswert ist ein Besuch am Nachmittag zu Mokka und einer Auswahl süßer Leckereien. Auf den Wein kann man aufgrund der Preise getrost verzichten.

Brauhaus ohne Namen: Deutzer Brauhaus – nicht so touristisch überaltert mit Beiprogramm von Fussball bis Lossmersinge vor und Parties an Karneval. Die Ticketvergabe ist zwar teils sehr fragwürdig und chaotisch, aber ansonsten immer eine gute Stimmung, teils sind die Musiker vor Ort im Publikum. Kulinarisch zum Gaffel-Kölsch kommt Convenience aus der Küche. Und bei Großveranstaltungen sind  Frikadelle& Co angesagt. Wer zum Veedelszug am Karnevalsdienstag hier wartet, bekommt frisch gezapftes Kölsch am provisorischen Außenstand.

Café Especial – der Mexikaner ist leider längst nicht mehr so gut wie sein Ruf. Teils chaotische Bedienungen, hohe Preise. Insgesamt: ungenutztes Potenzial für eine meiner einstigen Stammkneipen. Man merkt es vor allem daran, dass man heute ohne Reservierung einen Platz bekommt: vor einigen Jahren noch undenkbar. Bei Messen oder Konzerten in der Lanxess-Arena überfüllt. Für mich nur noch Stopp für einen Teqila oder Mezcal: Die Tequila-Auswahl ist für deutsche Verhältnisse riesig. Die Bedienung hat aber meist keine Ahnung von ihren Schätzchen.

Coltomai – Das Traditions-Eiscafé der alten Deutzer hat Konkurrenz bekommen. Das Candy nur 100 Meter weiter lockt mit Törtchen und bunten Farben. Das alteingesessene Coltomai mit dem adrett in schwarz-weiß gekleidetem Personal wirkt da wie aus der Zeit gefallen. Egal: Auf die Eiscreme kommt es an: cremig, fruchtig und gutes Preisleistungsverhältnis. Aber Achtung: Kaffee können sie gar nicht. Die Deutzer sitzen (trotzdem) nach wie vor eher hier als beim neuen Wettbewerber. Alternativ kommt das auf der Freiheit gelegene Cortina wegen der ruhigeren und sonnigeren Lage in Frage. Der Eis-Pizza-Cafe-Iraner hat dank neuer städtischer Regelung jetzt mehr Außenplätze auf zwei abgetrennten Parkbuchten.

Deutzer Fischhaus – Ein Restaurant ist es nicht, der Fischladen in der Tempelstraße. Aber er bietet verschiedene Fischgerichte an – immer frisch gemacht aus seinem qualitativ sehr guten Angebot. Dafür ist er eben auch teurer als der übliche Mittagstisch. Nachteil: Wegen der schwachen Lüftung riecht man nach dem Essen selbst nach Fischbude. Eine Besonderheit: Die indischen Fischspezialitäten mit Rotbarsch oder Scampi: fein und frisch.

Haus Zeyen – Es wirkt wie eines dieser in die Jahre gekommenen gutbürgerlichen Wirtshäuser. Und das ist gut so. Denn sonst wäre das kölsche Steakhaus an der Ecke gerade an Messe- und Arenatagen überfüllt und keine Flucht vor dem Convenience-einerlei vieler Deutzer Brauhäuser. Die Atmosphäre ist in der Tat gutbürgerlich, doch der Service familiär und super, die Fleischgerichte gut. Sion vom Faß. Und jetzt auch mit etwas Außengastronomie auf abgesperrten Parkplätzen.

Heimisch – endlich ein Plätzchen mehr mit Frühstück – einem Deutzer Stiefkind gastronomischer Angebote. Auf der Deutzer Freiheit gibt’s eigene, wechselnde Salate, Röstbrote – sie kommen in Variationen als „Brett“ – und Kaffee als Schwerpunkte – und alles möglichst regional. Über zwei Stockwerke will Gianna Gilgen ein zweites Zuhause bieten. Gerade im Obergeschoss mit Büchern, Sofaecke und Kinderspielzeug – auch das ist neu in Deutz – gelingt das schon ganz gut.

Hyatt Terrasse – Wenn man im TagNacht nicht ständig über die höheren Preise genörgelt hätte, wäre ein Hinweis auf die guten Flammkuchen-Varianten und die Grillspezialitäten hilfreich gewesen. Die gab es dort schon, bevor sie zum Modegebäck wurden. Und ja, es ist die beste Biergartenaussicht von Köln mit einem weiteren unterschlagenen Vorteil: Es ist weit weniger los als am linksrheinischen Ufer – sehr angenehm. Lohnenswert sind Public-Viewings bei großen Sportübertragungen wegen des internationalen Publikums aus dem Hotel.

Wo früher die „Marie“ Bistro und Eishockey vereint hat, versucht ein Ableger von Joe Champs nun mit Burger und Sports Bar bei den Deutzern zu landen. Wie beim Original am Rudolfplatz ist das Essen in Ordnung aber nichts Herausragendes. Beim Burgertest darum nur eine 3. Beim ersten Besuch kurz nach der Eröffnung war noch wenig los, aber das Personal sehr zuvorkommend. Die Eishockey-Übertragungen bleiben – dann auch mit einem Haie Hotdog.

Kaffeebar Köln – Darüber hatte ich bereits selbst berichtet. „Normalerweise“ gibt es hier Kaffee zum besten Preisleistungsverhältnis. Obendrauf gibt es kleine, besondere Veranstaltungshighlights. Zum Beispiel Blues von Nikitakis, dem griechischstämmigen Kölner Musiker und Songwriter von Arsch Huh, BAP und anderen kölschen Bands. Hier gibt es meine Cocktailabende und Single Malts Tastings.

km 689 (Cologne Beach Club) – Kurz gesagt: der doofste Beach Club, den ich kenne. Das beste ist der Blick auf den Sonnenuntergang hinterm Dom. Die Alternative: An die Poller Wiesen ist 2012 die ehemals Mülheimer Sandburg gezogen. Angenehmes, buntes Publikum von der unterkühlten Blondine über kickenden Surfertypen bis zu kompletten Familien. Personal kann noch etwas flotter werden, in jedem Fall nett. Essen aus Tiefkühle und vom Grill. Nur wie in allen Beach Clubs grandios überteuertes teures Kölsch .

Latino Cubana – Solide durchschnittliche, kubanische und TexMex-Küche. Man macht nichts falsch, aber haut auch niemanden vom Hocker. Internationale (Massen)-Bierauswahl, Cocktails in Ordnung. Im Sommer gibt es einige Außenplätze, von denen man sich das Gedrängel des Vapiano genüßlich anschauen kann. Die Schwester-Gastro, die Tapas Bar La Reina gleich mit seinen großen Fenster bietet eine bunte, überschaubare Tapas-Auswahl auf der Karte plus Tages-Tapas. Die Preise sind eher ambitioniert, das Essen eine vernünftige Tapas-Qualität, leider nicht mehr. Die Datteln im Speckmantel waren bei meinem Besuch ein Traum.

Lommerzheim – Der Laden mit einem ausführlichen Wikipedia-Eintrag… Das „Lommi“ ist größer geworden, aber den neuen Biergarten und das Kellergewölbe haben die TagNacht-Redakteure bei ihrer Bewertung als „Lieblingskneipe“ wohl übersehen. Der traditionelle Gastraum ist mittlerweile Nichtraucher. An den Wochenenden ist’s zu voll (wie früher). Das ist der Nachteil am Kultstatus. Immerhin: Es gibt Päffgen-Kölsch und die Köbesse sind – wie es sich gehört – auf Zack. Einzige regelmäßige Ausnahme: Kurz nach 22 Uhr (warum auch immer).

Mongo’s – Essen lecker, Service super – aber am eigenen Erfolg gescheitert: Teils Wochen vorher reservieren, lange Schlangen an der Essensausgabe, irre laut. Schade – so macht Event-Gastronomie keinen Spaß mehr. Mein letzter Test war allerdings schon einige Zeit her. Zeit für eine neue Chance.

Ristorante Diana – Ebenfalls auf der Freiheit ist dieses kleine, familiäre italienische Restaurant (insbesondere der Innenhof im Sommer). Pasta und Pizza sind guter Durchschnitt. Zahlreiche Saisonangebote, sehr guter und freundlicher Service. Online-Bestellungen sind für Köln-Deutz möglich. Hier leidet jedoch ab und an mal die Pizza, die offensichtlich zu schnell aus dem Ofen zum Pizzafahrer soll. Lässt sich mit folgendem Trick verhindern: Bestellung mit Uhrzeit abgeben!

Rosenstock 2 – (Die 2 haben sich die TagNacht-Redakteure selbst ausgedacht, weil es den ersten Laden in Ehrenfeld gab). Große Karte mit vernünftiger Qualität beim Essen, wenn man Geduld hat. Auch nach Jahren habe ich das Konzept im Service nicht verstanden: auf mich wirkt es chaotisch, man wartet ewig. Das geht besser! Insgesamt ist der Laden eine verschenkte Gelegenheit.

Saint Louis – Suppen, Sandwiches, Salate. Dazu Säfte, Limonaden und Kaffee. Das kommt alles in guter Qualität daher, ist anders als der Vorgänger „Goldgelb“ als Fast Food Laden für Ökologisch Korrekte eingerichtet. Einfache Tische und Stühle. Die Außenbestuhlung ist geblieben und sonnenverwöhnt. Perfekter Punkt fürs „Freiheit-Watching“. Seit Anbeginn soll es ein Franchise werden. Und am Sonntag gibt es auch mal Event. , sonst nur Montag bis Samstag geöffnet und einer der wenigen Deutzer Plätze mit Frühstück.

Antik Brauhaus (ehemals Sion Bräues) – Ob spätabendliche Frikadelle, Mittagstisch oder was zu Abend – für wenig Geld kommt Convenience Food auf den Teller. Die Köbesse sind meist fix und nett, die Einrichtung ein unkompliziertes Brauhaus. An beliebten Messetagen wird auf kleine Karte umgestellt. Bei guten Wetter hat man an den Außentischen auf der Freiheit viel zu gucken und zu quatschen.

Sushi Haus Deutz – Aus der der kioskhaften Atmosphäre des Ladens der Graf-Geßler-Straße 100 Meter weiter in die Constantinstraße gezogen. Dunkles Holz, ruhige Farben und Licht. Preise okay, für besseres Sushi würde ich aber gerne mehr bezahlen. Sushi-Boxen auch zum Mitnehmen. Es scheint dennoch zu funktionieren: Einen Ableger in Dellbrück gibt es auch. In die ehemalige Deutzer Lokation ist der Inder Massala Indian eingezogen: mit frischer indischer Küche – eine gute Alternative für ein schnelles Essen.

Vapiano – Pasta passt. Pizza nicht überragend. Wenn man Service hätte, wären die Preise in Ordnung – aber in diesem Selbstbedienungsladen zahlt man den Titel „Eventgastronomie“. Aufgrund seiner Bekanntheit und der Nähe zu Kölnarena und Messe ist der Laden mittlerweile immer überfüllt, darum häufig lange Schlangen vor den Ausgaben und laut. Vor allem, weil das Personal – ich unterstelle Raffgier! – bis zur letzten Plastikkarte Leute reinlässt, egal wo sie dann stehen sollen. Das kommt in vielen Ablegern der Kette mittlerweile vor. Auch die Qualität hat zuletzt deutlich nachgelassen. Die Rinderfiletstreifen waren zäh wie eine Schuhsohle. Auf meine Anfragen dazu reagiert jedoch niemand. Des eigene Erfolg macht offensichtlich ungenießbar. Mittlerweile gibt es weitere Ableger am Rudolfplatz und künftig Nummer drei am Mediapark. Tipp: Holt die Pasta für zu Hause frisch ab. Oder lasst es sein.

Villa Mathilde – Das ist das Wohnzimmer von Deutz wie bei einem Verwandtschaftsbesuch: Gemütlich, immer ein wenig zu eng, familiär. Wenigstens gibt es eine der wenigen Frühstückskarten von Deutz, allerdings nicht für Frühaufsteher (öffnet ab 10.30). Die Kuchen- und Getränkeauswahl ist ausgefallen: Limobrauer mit Hipster-Flair, traditionelle Kafeeröstereien, Suppen aus Gläsern, kalorienlastige Kuchen und Torten – die Waffeln am Wochenende sind selbst gemacht. Hin und wieder bietet das Wohnzimmer auch Programm: Ab und an ein Kleinkunstabend oder die eigene Geburtstagsfeier.

Die Liste wird weiterhin fortgesetzt.

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