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Vor einiger Zeit habe ich schon mal darüber geschrieben, wie viele Kochbücher man so braucht. Die Frage stelle ich heute auch für Bar- und Cocktailbücher.

Davon gibt es viele – thematisch sortiert oder nach einer mehr oder weniger nachvollziehbaren Rezepteauswahl zusammengestellt. Meine Erfahrung: Viele günstige Bücher haben zwar eine gute Zusammenstellung, häufig aaber auch eklatante Klöpper. Da steht schon mal Cranberrysaft, gemeint ist aber gesüßter Cranberrynektar. Und so kommt ein saures Gesöff raus, das einem die Socken auszieht. Oder Rezepte greifen auf qualitativ zweitbeste Zutaten zurück.

Nach dem Ende meiner Lektüreodyssee empfehle ich eines der drei folgenden Bücher. Alle drei sind eher hochpreisig, dafür bieten sie aber inhaltlich die Qualität, die man in einer qualitätsbewussten Bar erwartet. Auch die Gestaltung ist in allen drei Fällen ein Hingucker.

1. Der Klassiker: Schumann’s Bar (2011)

Die aktuelle Auflage – die früheren Auflagen des Münchner Barbesitzers Charls Schumann hießen „American Bar“ – ist überarbeitet aber der umfangreiche Rezepteteil mit etwa 500 das Herzstück geblieben: alphabetisch und nach Drink-Gruppen sortiert, alles ganz schlicht. Warenkunde, einige Gastkapitel und die angriffslustige Schnoddrigkeit eines Bar-Granden. Empfiehlt sich für jemanden, der vor allem Rezepte haben will.

2. Der Hintergründige: The Cocktalian (2010)

Einer der Autoren ist Helmut Adam. Herausgeber von Mixology – dem Fachmagazin für Barkultur. Zusammen mit Jens Hasenbein und Bastian Heuser recherchieren sie den Rezepten und Zutaten nach. Hier finden sich die Originalrezepte vieler Klassiker und die Geschichte der Zutaten. Interessant für den kreativen Barkeeper: Das Buch will auch in die Lage versetzen aus den Basisrezepten und Prinzipien eigene – gute – Kreationen zu entwickeln. Für alle, die sich für Details und Hintergrundinformationen hinter den Rezepten interessieren ein Muss.

3. Der Offenleger: Das geheime Cocktailbuch (2012)

Wegen fehlender Reservierung stand ich bisher immer nur vor der PDT in der New Yorker Alphabet City. Aber jetzt gibt es vom Barkeeper Jim Meehan auch ein Buch dazu, inklusive der kompletten Darstellung der Inneneinrichtung, Gerätschaften und Aussttattung, was zeigen soll, worauf es in einer guten Bar ankommt. Warenkunde und Barausstattung ist umfangreich beschrieben und begründet. Meehan legt seine komplette Bar offen: Bei jeder Zutat nennt er das von ihm verwendete Produkt. Schön zu lesen auch die Rezepte – genannt sind Erfinder und Jahr mit samt einer kurzen Historie (allerdings nicht ganz so umfassend wie die beiden oberen) . Bunte Bilder im Comic Noir Stil von Chris Gall machen den Schinken zur angenehmen Tresenlektüre. Wer es modern und bunt mag, ist hier richtig.

Natürlich gibt es auch vernünftige Onlinequellen – etwa cocktailscout.de – aber das macht in der Hausbar einfach nicht soviel her wie ein gediegener Barschmöker auf dem Tresen.

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