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Bei einem Auswahlgespräch zu einer Weinbestellung war ich einigermaßen überrascht, als der Kellermeister etwas von einem unfiltrierten Wein erzählte, den er neuerdings im Angebot hätte. In meinem Kopfkino hatte ich sofort Bilder von naturtrüben Flüssigkeiten in Weingläsern – ähnlich wie ich das vom Bier kannte.

Doch unfiltrierter Wein, so habe ich gelernt, gibt es überall in der Weinwelt. In den USA heißt er „non-filtered wines“, „non filtrés“ in Frankreich und „não filtrados“ in Portugal. Ganz unumstritten sind sie nicht, diese besonderen Tropfen. Bleibt er haltbar, ist er hygienisch? Schmeckt er wirklich besser? (Zum Beispiel: Schneider Oenologie).

Es ist jedoch Tatsache, dass bei ungefilterten Weinen in der Regel zumeist mehr Depot in der Flasche gebildet wird. (Wein-plus.de)

Bei unfiltrierten Weinen klären nur lange Lagerung und Absitzenlassen den Wein, keine Filtration. In den USA gilt Newton Vineyard als Pionier für unfiltrierte Weine. Das Weingut liegt auf dem Spring Mountain, einem Anbaugebiet an der östlichen Flanke der Mayacamas-Gebirgskette, die das Napa- vom Sonoma Valley trennt. Im südafrikanischen Stellenbosch keltert das Weingut Fleur du Cap mit Schwerpunkt seit mehr als 40 Jahren unfiltrierte Weine.

Und dann hatte ich meinen ersten unfiltrierten Silvaner aus Baden im Glas (Ich trinke heimatverbunden sonst nur fränkischen):

Silvaner Spätlese 2011
(Weingut Pix, Ihringer Winklerberg, 13 % vol Alkohol, Restzucker: 1,0 g/l, Säure: 6,4 g/l).

Erste Überraschung: Von dem so häufig beschriebenen Mehr an Depot war nichts zu sehen. Etwas Weinstein, das war’s. In der Nase erwartet mich dann eine fruchtig-frische Blume, alles angenehm strahlig. Am Gaumen entfalten sich die silvaner-typischen Zitrusaromen, vielschichtig rund ohne überladen zu wirken. Nuancen von Fenchel und anderen Fruchtaromen begleiten das Genusserlebnis.

Ich habe mir die Produktion erklären lassen. Der Wein ist regelrecht verwöhnt worden, nur auf dem Weg von Kaiserstuhl zur Weinpresse wurde er maschinell tarnsportiert. Von der sanften Presse ins Fass bis zur Abfüllung hat nur die Schwerkraft ihn bewegt. Da er unfiltriert ist, ist der Wein auch für Veganer trinkbar – bei vielen Weinen geht das nicht, weil mit Gelatine geklärt wird. Von diesem Silvaner gibt er nur einige Hundert Flaschen – also schnell kaufen. Ich habe direkt zugeschlagen: Das wird mein Wein zur Spargelsaison 2013. (Mit 12 Euro ist er zwar nicht ganz günstig, man kann für andere Unfiltrierte deutlich mehr ausgeben)

Meine Beiträge zu Spargel habe ich hier zusammengefasst. Ich wünsche viel Genuss. Prost und guten Appetit.

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