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Kaum habe ich die Bad Kreuznacher Fußgängerzone der Innenstadt hinter mir gelassen, passiere ich ein Bordell und eine christliche Buchhandlung. Dann stehe ich vor dem dezenten Schild: Trattoria Ponte Vecchio.

Mousse mit TwittersymbolUrsprünglich bezeichnet „Trattoria“ im ländlichen Italien eine einfache, familiär geführte Gaststätte. Ich trete ein: Ja, wenige Tische, das dunkle Holzgebälk über den Tresen, der grobe weiße Putz und die vielen Weinflaschen erinnern an Italien. Sofort kümmert sich eine Bedienung um mich – die Tochter. Hinten am Tresen öffnet der Vater eine Flasche Wein. Den Sohn und Küchenchef habe ich bereits auf Twitter kennengelernt, darum bin ich hier. Sein Reich beginnt hinter einer dunklen Tür mit Durchreiche. Doch erst einmal begrüßt er mich herzlich.

An dieser Stelle ist es Zeit für einen „warnenden“ Hinweis. Üblicherweise kennt mich (zunächst) niemand in den Restaurants, über die ich hier schreibe. Darum mag die ein oder andere Situation hier vielleicht nicht ganz typisch sein, aber sie beschreibt sehr gut das Wesen der „Alten Brücke“.

Spargel Amuse GueaulMit einer möglichen Sonderbehandlung ist es jedenfalls ganz schnell vorbei. Innerhalb kurzer Zeit ist das Lokal komplett voll – der Familienbetrieb hat alle Hände voll zu tun. Zu mir an den Tisch setzt sich noch ein italienischer Techniker (ein Stammgast, wie sich herausstellt, der bei seinen Dienstreisen hier zu Abend ist).

Vor mir liegt eine kleine Speisekarte mit einer guten, übersichtlichen Auswahl. Dazu eine Tageskarte, die saisonale Gerichte anbietet – das hieß bei mir Spargelzeit. Das passt zum Konzept: Frische, qualitativ hochwertige Zutaten, alles wird selbst gemacht. Klingt so, wie ich es haben will.

Pontestylez-4Bei meinem Abendessen mache ich es mir einfach: Ich bestelle das Überraschungsmenü, um möglichst viel probieren zu können. Dazu das Angebot zu jedem Gang einen passenden italienischen Wein. Das ist bequem und wie sich gleich herausstellt ein luxuriöses Rundum-Sorglos-Paket. Das Amuse Gueule mit kurz gebratenem Thunfisch und eine neu interpretierte California Roll deutet bereits an: Prima Qualität, auf den Punkt zubereitet und intensive Aromen ohne zu verwischen. Die Weine passen perfekt: Ob toskanischer Chianti, ein Pecorino aus den Abruzzen oder ein Sauvignon aus dem Friaul.

Pasta aus dem ParmesanlaibEin Primi Piatti – der „Nudelteller“ vor dem Hauptgang – gehört natürlich dazu. Bei mir war es eine bunte Auswahl aus selbstgemachter Kalbs- und Spargelravioli mit Spaghetti aus dem Parmesanlaib (der auf einem eigenen Tischchen mitten im Gastraum abgedeckt ruht). Auch hier wieder: Zutaten und Gewürze sind so gut abgestimmt, dass man des Gefühl hat, jedes Aroma meldet sich einzeln am Gaumen an.

DessertSo vertragen sich Spargel und Rinderfilet mit intensiver dunkler Sauce („richtige“ Soße, sorgsam reduziert ohne Schnickschnack!). Nach einen Stippvisite in der Küche gibt es noch für mich (perfekt gebratene) Garnelen mit Salat, dann kommt der sorgfältig dekorierte Dessertteller, von dem ich schon so viele auf Twitter gesehen habe.

Mit dem „Ponte Vecchio“ habe ich nicht nur einen tollen Italiener entdeckt, sondern einen, der die Viva Culinaria Philosophie des Genießens umsetzt: Qualität und Bewusstsein für Zutaten und Zubereitung sowie ein Händchen für Überraschungen, Leidenschaft inklusive. Soll noch einmal einer sagen, twittern würde nichts bringen.

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Übrigens: Die Bilder stammen vom Küchenchef Pontestylez selbst (Auch fürs Fotografieren hat er ein Händchen)

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