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Regelmäßig zum Jahresbeginn, spätestens jedoch zur Sommersaison beginnt das Orakeln um den Drink des Jahres. Das haut mal mehr oder weniger gut hin. Der Lillet hatte bisher noch nie seinen ganz großen Durchbruch. Hugo entwickelte sich mit etwas Verzögerung zum Massengetränk und an viele Vohersagen erinnern wir uns erst gar nicht, weil sie komplett daneben lagen.

In diesem Jahr tasten einige den Wermut als Trend-Zutat ab. Eine Zusammenfassung der Beiträge liefert Heimo Tscherme in seinem Blog Disguisedasforkandknifes ab. Mit Wermut wird ein mit Kräutern aromatisiertes Weingetränk mit bitteren Aromen bezeichnet. Viele kennen vor allem den Wermut von Martini. Doch die Vielfalt ist deutlich größer, wie beispielsweise das Wermut-Tasting von Trinklaune zeigt.

Americano An der Bar hat Wermut eine lange Tradition. Aperitif-Klassiker wie der Americano gehören dazu. Er besteht aus:

  • 3 cl Campari
  • 3 cl rotem Wermut
  • Ein Schuss Soda
  • und alles auf Eis.

Ausgehend von diesem Klassiker habe ich eine weiße Variante abgeleitet, weniger bitter und etwas frischer – wenn man so will Americanos blasser Bruder für die ersten lauen Tage (okay, das ist jetzt noch etwas hin).

  • 3 cl Lillet Blanc
  • 3 cl Noilly Prat (ein trockener französischer Wermut, alternativ der rundere zitruslastiger Dolin)
  • ein Schuss Soda und ein Spritzer Zitrone
  • und alles auf Eis

Zur Deko spendiere ich das kräftige rot einer mit Campari kandierten Zitronenscheibe.

Haben diese beiden Drinks das Potenzial ein neuer Trend zu werden? Verschiedene Faktoren waren in den vergangenen Jahren für die Massentauglichkeit ausschlaggebend:

  • Die Zutaten sind überall und relativ günstig zu erhalten – das ist bei Wermut der Fall.
  • Der Drink ist leicht und schnell zu mixen. Beim großen Ansturm versorgt der Barkeeper seine Gästegruppen immer noch schnell und souverän. Auch das funktioniert bei beiden Drinks.
  • Der Drink hat einen Alkoholgehalt zwischen Bier und Wein, so dass er süffig bleibt und auch von den Gästen getrunken wird, die sonst nicht gleich zu Cocktails greifen. Hier habe ich Zweifel, ob sich die klassischen Wermut-Drinks durchsetzen werden, da sie meist etwas stärker als Wein daherkommen. Hier wird es sicher noch einige „Versuchs“-Angebote aus kohlensäurehaltigen Getränken und Wermut geben, vielleicht auch Wein/Secco-Mischungen, die ähnlich wie ein Spritz funktionieren. Ob die sich jedoch schon in dieser Saison als Renner durchsetzen ist fraglich. Bei Hugo und Aperol Sprizz hat es auch etwas gedauert.
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