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Mexican HatTequila gehört in Deutschland wahrscheinlich zu den berüchtigsten Spirituosen: Schmeckt nicht, allenfalls wird es dank beknackter Trinkspielchen runtergewürgt. Amerikaner sprechen von einem „Woo-Hoo Drink“: Wer zuviel davon trinkt, brüllt „Woo-Hoo“ und wirft wahlweise seine Kleider weg oder/und sich Freunden und Fremden an den Hals. Doch die Amerikaner unterschieden: „Woo-Hoo“ passiert bei billigem Partygesöff, das außer dem Titel Tequila nichts mit jener teuren mexikanischen Edelspirituose zu tun hat, die viele bei umfangreichen Tastings verzückt. So etwas kennt man in Deutschland nur vom Tasting-Trend mit Single Malts.

Der Grund für den schlechten Ruf des Tequilas insbesondere in Deutschland liegt an der Billigware: Wir sind verseucht von der Marketinggeschichte, dass man sich einen Kurzen aus einer Flasche mit Sombrerodeckel hinter die Binde kippt und den kulinarischen Super-GAU mit reichlich Salz und Zitrone zu vertuschen sucht.

Zeit also für ein bisschen Entwicklungshilfe in Sachen Tequila und Mezcal.

Was ist Tequila, was ist Mezcal?

Ob Tequila oder Mezcal: beides sind Brände aus Agaven. Tequila ist eine Unterart des Mezcal. Sie unterscheiden sich durch die Agavensorte, die Herkunft und der Röstung. Die Agavenherzen werden für Tequila gedünstet oder geröstet. Für den Mezcal wird unterirdisch geröstet. Das macht den Mezcal erdiger und rauchiger. Er darf aus fünf Regionen und zwei Städten Mexikos kommen, 30 Agavensorten sind zugelassen. Beim Tequila ist es nur die blaue Weber-Agave (Azul Tequilana Weber) – und die Produktion ist auf den Bundestaat Jalisco und wenige andere Regionen Mexikos begrenzt. Die Agavenherzen werden gekocht oder geröstet, anschließend gemahlen und fermentiert, bevor sie mindestens zweimal gebrannt werden werden.

Goldener Schrott

Steinerner TotenkopfDie wesentliche Unterscheidung sowohl bei Mezcal als auch Tequila ist das Alter: Blanco – Reposado – Anejo. Einzige Ausnahme ist der sogenannte „Goldene Tequila“: Er ist nichts anderes als ein Gemisch aus Blanco (ungereiftem) Tequila und gealtertem. Und für die goldene Farbe darf’s auch ein bisschen Zuckerkulör als Farbstoff sein. Ach ja: Glyzerin für einen weicheren Geschmack ist auch erlaubt. Lecker, oder?

Leider glauben viele, dass es sich bei goldenem Tequila um eine bessere Qualität handelt – das ist schlichtweg Quatsch. Vor allem dann, wenn er nicht als 100 Prozent Agave ausgewiesen ist. Dann muss 49 Prozent Zuckers in der Produktion nicht von der Agave (statt dessen meist Rohrzucker) stammen.

Die drei Reifegrade

Der Blanco ist der jüngste im Bunde: Er lagert bis zu 60 Tage, bevor er in Flaschen abgefüllt wird. Er schmeckt frisch, direkt – häufig etwas scharf – und wird meist zum Mixen verwendet.

Der Reposado reift zwischen zwei Monaten bis zu einem Jahr in Holzfässern, häufig alte Whiskey-Fässer. Neuere Produkte nutzen oft (amerikanische) Eiche. Die Farbe kommt beim Reposado vom Holz. Der Geschmack ist weicher und komplexer.

Mindestens ein Jahr reift der Anejo im Fass – höchstens jedoch drei Jahre. Zwar gibt es auch ältere, doch echte Tequila-Fans stehen meist nicht darauf, da typische Aromen überdeckt werden. Die Komplexität nimmt weiter, bis zu einem Übergewicht der Fassaromen. Auch er ist braun-golden in der Farbe.

Eine Empfehlung für Einsteiger

Etikett einer TequilaflascheVor diesem Hintergrund habe ich mich nach einer „Einstiegervariante“ eines Tequilas gesucht, die sowohl „typisch“ Tequila ist, aber den ungeübten Gaumen nicht überfordert. Fündig bin ich beim Tequila Espólon Reposado geworden. Espólon ist der spanische Begriff für „Hahnensporn“. Die Brennerei (gehört zur Campari Gruppe) gibt sich wild (angeblich wird bei Rockmusik gebrannt) und auf mexikanische Geschichte bedacht. Typische Tuschezeichnungen des 19. Jahrunderts auf den Flaschen und Marketingmaterial erzählen Geschichten, die den Tag der Toten mit der mexikanischen Revolution vereinen. Ich empfehle für ein neues Tequila-Erlebnis deren Reposado, weil er durch seine Samtheit Billig-Tequila-Verseuchte versöhnen kann und gleichzeitig verrät, was an Aromen in der Welt der Agavenbrände schlummert. Er lagerte sech Monate im amerikanischen Eichenfass und schmeckt samtig honigweich mit zitrus-fruchtigen Anklängen. Die Schärfe schwingt angenehm mit, ohne zu brennen, floralen Aromen schmiegen sich passend dazu. In Mexiko ist er bereits für unter 15 Euro zu erhalten, in Deutschland muss man leider um die 30 Euro hinlegen.

Margarita gefällig?

MargaritaIch schmunzle immer: Die International Bar Association bezeichnet die Margarita – den Klassiker unter den Tequila-Cocktail – als „All Day Cocktail“, geht also immer. In Südkalifornien könnte man tatsächlich den Eindruck gewinnen. Anders als in Deutschland, ist die Frage „Margarita Frozen oder on the rocks“ dort Standard.

Meine Variante für eine Margarita Reposado:

  • 4 cl Espolon Reposado
  • 2 cl Triple Sec
  • (1,5 bis 2 cl) Saft einer unbehandelten halben Zitrone Bergamotte

Glasrand eines Tumblers mit Tequila befeuchten und in feinem Meersalz drehen. Tumbler mit einem Stück Zitronenschale kurz ausreiben. Alle flüssigen Zutaten mit Eiswürfel shaken und auf frische Eiswürfel ins Glas abgießen.

Übrigens: Wer jetzt neugierig geworden ist, empfehle ich die Lektüre der Tasting-Plattform Tastings.com mit schlappen 273 Einträgen nur zu Tequila.

Mehr Warenkunden habe ich bereits zu Gin und Whisk(e)y geschrieben.

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