Tarrazas-1Es gibt zwar nicht den Begriff der „Hochgebirgsweine“, doch die Anbauhöhe spielt in der Vermarktung hin und wieder eine Rolle. In dieser Woche war ich auf einer Verkostung des Weinguts Terrazas de los Andes in Mendoza, Argentinien. In der Beschriebung der einzelnen Weine taucht dort immer auch die Höhe des Lage auf. Bei Terrazas de los Andes reicht das bis 1.800 Meter Höhe. Das ist zwar noch weit entfernt von der ebenfalls in den Anden gelegenen Bodega Colomé des Schweizers Donald Hess; sie gilt mit etwa 3.000 Metern als das höchste Anbaugebiet der Welt. Zum Vergleich: In Deutschland ist bei rund 500 Metern Schluss. Doch ich wollte wissen, wie beeinflusst die Höhe den Charakter eines Weins und sprach dazu mit Kellermeister Gonzalo Corrasco. Gibt es vielleicht so etwas wie ein Höhentraining für Trauben?

Zunächst ist Höhe für den Weinbau eher abträglich, da die Temperatur mit wachsender Höhe abnimmt. Darum finden sich hohe Lagen auch nur in wärmeren Regionen. Die Terrazas südlich des Äquators liegen auf die Nordhalbkugel gespiegelt etwa auf dem Breitengrad wie Nordafrika. Hier spielt dann auch die Höhe für den Winzer. Die Sonneneinstrahlung ist intensiver und bringt benügend Temperatur und Licht für die Trauben. Gleichzeitig kühlt die Nacht ausreichend ab, was für den Wein Charakter bringt. „Die Rebe hat dann Zeit zu ruhen“, sagt Gonzalo Corrasco über die kühlen Nächte. Solche Temperaturunterschiede finden sich in tiefergelegenen Lagen nicht mehr. Es bleibt in der Nacht zu warm, was beispielsweise mittlerweile deutschen Rieslinglagen zu schaffen macht. Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht von mindestens sechs Grad betrachten viele Winzer als notwendig für einen gelungenen Riesling. Die Lagen der Rotweine findet man – auch bei Terrazas de los Andes – teils deutlich tiefer.

Chardonnay im Glas - Foto: Christian LerschAls Begleiter des Gesprächs mit Gonzalo Corrasco hatten wir übrigens einen Reserva Chardonnay 2012. Dieser Wein wächst auf 1.200 Metern (Nur der Torrentes liegt höher) und kommt mit einer Fülle an Frucht-Aromen daher, zu denen sich Eichenfass wohlig gesellt ohne zu überlagen. Dennoch bleibt der Chardonnay frisch und sommerlich leicht. Als passendes Essen dazu waren wir uns schnell einig. In Deutschland ist gerade Spargelsaison, darum würden wir jetzt gegrillten Spargel wählen: Die feinen Röstaromen würden sich gut ans Holz des Weines schmiegen und ein Chardonnay hat genug Kraft mit all dem mitzuhalten.

P.S.: Da ich an diesem Abend nicht fotografiert habe, stammen alle Bilder vom „Küchenjunge“ Christian Lersch. Danke dafür!

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