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NSA-UnterlagenHeute bewege ich mich etwas off-topic: Hannes hat in seinem Blog Jazzlounge zur Mutmachparade aufgerufen. Einige Gedanken dazu will ich hier teilen. Wenn mich heute jemand fragt, wann ich mutig war, stelle ich fest: Früher war ich mutiger als heute. Nicht, dass mir heute niemand sagen würde, ich hätte Mutiges getan: Meine Gespräche mit der NSA haben einige als mutig bezeichnet. Oder, wie ich mit den letzten Monaten und dem Tod meines Vaters umgegangen bin, fanden viele mutig.

nach dem MarathonAus meiner Sicht hatte weder das eine noch das andere Mut von mir erfordert. Die Idee, die Überwachungsprogramme einmal selbst zu sehen oder direkt erklärt zu bekommen, war Entschlossenheit, ein persönlicher Test, ob meine eingemottete journalistische Spürnase mehr hinbekommt, als sich von Edward Snowden etwas ins Heft diktieren zu lassen. Wenn mir jemand die Türe vor der Nase bei diesem Bemühen zugeschlagen hätte, hätte sich nichts für mich verändert.

Auch die Entscheidung meines Vaters nach seiner Krebsdiagnose offen mit der Krankheit umzugehen, war nicht mein Mut. Mein Vater war mutig, weil er sich so entschieden hat, möglichst viel aus der kurzen verbleibenden Zeit zu machen. Uns, als seiner Familie blieb zu lernen, damit umzugehen oder es zu ignorieren.

Mut bedeutet für mich, eine Entscheidung zu treffen, die etwas verändert. Wie groß diese Veränderung ist, spielt dabei keine Rolle. Meinen Mut muss ich immer „nur“ für den Moment der Entscheidung zusammennehmen – egal ob ich als Junge zum ersten Mal vom Dreimeterbrett springe oder den Sprung in die Selbstständigkeit wage.

taenzerintetemanBis heute bin ich stolz auf einen Dokumentarfilm über ein Dorf in Ghana, das versucht seine Wasserversorgung wieder aufzubauen (ich hatte hier mal ein Rezept von dieser Reise berichtet). Mit Freunden habe ich dieses Projekt komplett produziert und finanziert. Finanziell hätten wir ziemlich auf die Nase fallen können. Westafrika-Experten hatten uns aus Sicherheitsgründen vom Flug abgeraten: Während unseres Aufenthalts fand die Stichwahl für den neuen Präsidenten statt – der Ex-Diktator wurde abgewählt. Das war in Afrika bis dahin friedlich noch nie gelungen. Doch das Ergebnis: Das Produktionsteam ging nicht pleite, wir sind nicht nur heil zurückgekommen sondern haben auch die ergreifendsten, stolzesten Szenen unseres Lebens mit demokratiebegeisterten Ghanaern erlebt. Das Wasser in Teteman fließt. Sogar einen Preis haben wir für das Projekt erhalten.

Unser Erfolg nach dieser mutigen Entscheidung lag an den Fragen, die wir gestellt haben. Damit antworte ich auf die Frage: Was macht Mut? In einer verzagten, mutfreien Welt fällt uns selten besseres ein als zu fragen, ob etwas funktioniert. Und als Antwort finden wir tausend Gründe, warum es nicht klappen wird. Mut entsteht jedoch nur dann, wenn wir fragen, wie etwas geht. Denn dann beginnen wir nach einem Weg zu suchen und nach Lösungen. Damit ist die Entscheidung gefallen. Stellen wir also die richtigen Fragen. Jedesmal aufs Neue. Dann haben wir auch viel Neues vor uns.

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