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Alles eine Frage der Definition, ob nun Weingut oder Kellermeister älter ist: „Geboren wurde ich nach dem Notartermin zur Gründung, aber gezeugt worden bin ich vorher,“ sagt Hannes Pix, Kellermeister des gleichnamigen Weingutes im badischen Ihringen am Kaiserstuhl. Vor 30 Jahren hat es sein Vater Reinhold aufgebaut. Damit gehört es zu den ältesten ökologischen Weingütern – und ist eines meiner Stammlieferanten. Das Degustationsmenü zum Jubiläum mit Gängen des badischen Sternekochs Merkle habe ich längst verdaut, jetzt liefere ich nach etwas Reifung mein Gespräch mit Hannes nach.

Vater-Sohn-Konflikt programmiert?

Hannes und Reinhold Pix im Weinberg - Bild: Weingut PixVater und Gründer Reinhold Pix kenne ich seit Jahren, ein schwäbischer Forstwirt, der im Berner Oberland die Sennerei gelernt hat. Die erste Verbindung zum Wein kam mit Frau Helga, einer Winzertochter. Sohn Hannes dagegen hat Weinbau studiert und ist als Kellermeister vor einigen Jahren am Kaiserstuhl eingestiegen. Nicht nur durch ihre Ausbildung unterscheiden sich Vater und Sohn. Auch ihre Produktionsweise könnte gegensätzlicher kaum sein:

„Reinhold hat ein super Händchen und versucht immer, die Trauben lange hängen zu lassen, um Extreme herauszuholen.“ Hannes bringt Neues mit und blickt genau auf Messwerte mit dem Ziel das Naturprodukt zu perfektionieren. „Ich probiere solche Methoden nur aus, wenn die Parameter passen. Wenn wir zuviel faules Lesegut haben oder der pH-Wert nicht stimmt, mache ich zum Beispiel keine Spontanvergärung.“

KamikazeGigondas-3Ein Konflikt zwischen Vater und Sohn scheint programmiert. Tatsächlich gilt bis heute der 2009er Kamikaze als einziger Wein, den die beiden Pix-Männer gemeinsam in die Flasche gebracht haben. Doch Zoff? Fehlanzeige:

„Reinhold hat den Lesetermin bestimmt. Ausgebaut und abgepresst habe ich die Trauben. Wir haben sehr starke Hefen verwendet. Das war alles abgesprochen.“ Doch neue Ideen sind bei Erfahrungs- und Intuitionswinzer Reinhold kein Selbstläufer für den Sohn: „Wenn ich etwas ändern möchte, muss ich das immer begründen. Dann darf ich was Neues ausprobieren, muss es Reinhold aber erklären. Dazu gehört beispielsweise die Lese, wenn ich Bottiche statt Kisten möchte, wenn ich die Lese einmaischen will statt zu pressen.“

Huch, eine Auszeichnung

Cremant-Flaschen„Klasse statt Masse, das ist unser großes Credo. Viel Handarbeit für top Weine.“ Regelmäßig fährt das Weingut Preise ein, in „Pixieland“ – so titelte der Gault Millau 2012 – interessiert das nur am Rande: „Natürlich kauft man sich immer den Gault Millau und freut sich, wenn man erwähnt wird. Wir stellen auch fest, dass viele gezielt nach einer Lektüre zu uns kommen. Wir produzieren aber keine Profilweine, um etwa bei Parker zu punkten. Bei Gault Millau würde das auch gar nicht funktionieren, dafür sind sie zu breit aufgestellt. Wichtiger ist mir ein Produkt, mit dem ich selbst zufrieden bin und von dem ich überzeugt bin, dass es meinen Kunden schmeckt.“

Ein Einstieg mit Schrecken

Hannes mit WeinblattDer Weg in den elterlichen Betrieb verlief für Hannes ganz anders als geplant.

„Ich wollte davor erst Praxiserfahrung in anderen Betrieben sammeln. Eigentlich war das in Frankreich geplant. Doch dann kam das Jahr 2006, indem ich einen kompletten eigenen Jahrgang zusammen mit einem Angestellten produzieren musste. Mein Vater fiel berufsbedingt aus, er ging in die Politik. Es war ein Horrorjahrgang, ein verregneter Herbst, die Trauben faulten und platzten auf. Es gab fast nur Essig. Ein denkbar schlechter Anfang!“

Hannes bringt Demeter

Nachdem 1984 das Weingut Pix als eines der ersten deutschen ökologischen Weingüter startete, produziert Hannes seit kurzem bio-dynamisch nach Demeter-Vorgaben – ein kleiner Trend im ökologischen Weinbau. Dazu bringen die Winzer unter anderem Mineralien in Kuhhörnern in den Boden ein.

„Demeter ist aber natürlich lange kein absolutes Alltagsding. Für mich ist es gegenüber unseren Kunden das Zertifikat dafür, dass wir maximale Kriterien an ökologischen Weinbau anlegen. Demeter ist unsere Garantie für ihn, dass er das bekommt. Dazu arbeiten wir auch mit mineralischen Präparaten im Weinberg und setzen Kuhhörner ein. Ob man das als vegan bezeichnen kann, hängt davon ab, wie man drauf ist. Ich bin der Meinung, ja. Wie vegan wären sonst Produkte mit organischer Düngung?“

Kamikaze oder Kamikätzchen?

Weinflaschen im KühlschrankAktuell hat Pix einen Rosé aus derselben Lage und Sorte des mächtigen 2009er Kamikaze auf den Markt gebracht. Name: Kamikätzchen. Die Unterschiede könnten größer kaum sein. Die beiden Extreme liefern einen Vorgeschmack auf den Traum des Hannes Pix:

„Mein Traum ist es, unser Sortiment zu straffen. Im Moment haben wir sechs Hektar mit neun Sorten – das ist extrem breit. Da besteht immer die Gefahr, dass man sich verzettelt. Die verschiedenen Kleingebinde nehmen Spielraum im Keller. Beim Weinbau ist es wie bei einem guten Koch: Ich bin lieber ein Koch, der mit wenigen Zutaten spielen kann und möchte Weine kreieren, indem ich zum Beispiel einen Teil früher, einen Teil später lese. Mein Ziel ist es, mehr Perfektion aus einem Wein zu holen, unterschiedliche Charakteristika etwa beim Terroir herauskitzeln. Der grundsätzliche Geschmack lässt sich zwar nicht beeinflussen. Doch während des Sommers kann ich steuern, ob der Wein frischer, kräftiger, kräuteriger, phenolischer wird, etwa durch Entblätterung und Besonnung oder mineralische Gaben.“

Steht eher Kamikaze oder Kamikätzchen für Hannes Pix? „Beide Weine sind typisch Pix, weil sie aus der Reihe tanzen. Das Kamikätzchen ist ein ungewöhnlicher, ein sehr „poppiger“ Rosé. Auch wie der Kamikaze hat er einen eigenen Charakter. 2014 ist wieder ein Kamikätzchen-Jahr: Die Trauben werden nicht lange auf den Reben bleiben hängen bleiben können.“

Hannes bei einer Kellerführung

 

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