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Der Weg ums afrikanische Kap der Guten Hoffnung war lang und stürmisch für die englischen Schiffe auf der Fahrt zu den indischen Kronkolonien. Der Suezkanal war zunächst nur Idee und dann bis 1869 eine unpassierbare Baustelle. Diesem Umstand verdanken wir die Biersorte „India Pale Ale“ (IPA): ein helles, starkes Bier, das diese Überfahrt nach Indien durchhalten musste. Naja, wenigstens ist es die Legende dazu. Was daran grundsätzlich stimmt: Haltbar machen geht mit mehr Alkohol und Hopfen und machen IPAs als starke und starkgehopfte Biere zum Modegetränk – bei vielen Craft-Brauern und solchen, die sich so bezeichnen sind sie sehr beliebt.

gbt151-02639Davon konnte wir uns bei unserem ersten Guerillabeertasting überzeugen: Die Auswahl war sehr IPA-lastig. Fast zwanzig Bier-Guerilleros (ursprünglich hatten wir mit maximal zehn geplant) trafen sich im Kölner Burger-Tempel „Fette Kuh„, der dienstags seinen Ruhetag hat. Walter, der Inhaber, ist selbst ein Bierfan – da war das kein Problem (und ein dickes Danke, dass er hier mitgemacht hat!).

gbt151-02633So standen weit über zwanzig Biere zur Probe bereit. Ich hatte zwei vielgerühmte Varianten von Stone in die Runde gebracht: Das „Arrogant Bastard Ale“ und das „Ruination IPA„. Ich habe bei 19 Proben einen Schnitt gemacht und auch aus meiner ursprünglichen Idee, hier die gesamten Verkostungsnotizen zu verbloggen, nehme ich Abstand. Ich konzentriere mich auf eine IPA-Auswahl und wenige Highlights.

Aus der IPA Regatta:

„Fritz“ Ale-Mania IPA: Brauer Fritz Wülfing aus Bonn nennt seine Biere nicht mehr Fritz, weil einem Limonadenhersteller das angeblich nicht passt. Ich bin mir nicht sicher, ob das grüne Etikett Absicht war, aber es passt zu diesem IPA. Zunächst ein typischer Einstieg in eine IPA-Probe: Die Hopfenklatsche in der Nase, pur und direkt. Und dann folgt der Bezug zum grünen Etikett: Am Gaumen entfaltet sich das Aroma von frischem Hopfen und nassem Gras. Danach spielen sich leichte Fruchtaromen hervor – vor allem im Abgang. Es sind Schlücke, bei denen man sich gerne Zeit lässt.

gbt151-02631Braufactum Progusta: Das wohl teuerste (10 Euro für 750 ml) IPA in der Runde. Schöner Bernstein in der Farbe mit einem leichten Stich rot. Weich und rund in der Nase mit Anklängen von Honig. Am Gaumen kommt dann jedoch nicht viel mehr nach. Die Bitteraromen überdecken viele Fruchtaromen, die man bei der Auswahl der Hopfen (Citra und Hallertau) erwartet hatte. Geschmacklich in Ordnung, im Abgang etwas dünn – ein vernünftiges IPA, das allerdings den stolzen Preis nicht wert ist.

gbt151-02635Stone Ruination IPA: Von diesem Bier behauotet Gründer und Brauer Greg Koch, dass kein Bier mehr herausgekommen wäre, wenn er mehr Hopfen verwendet hätte. Ein „hopfengestopftes“ Bier: während der Reifung wurde noch Hopfen zugesetzt. Aufgrund dessen und der 8,2 % Alkohol packten wir dieses IPA an den Ende der Verkostung und erlebten eine Überraschung: Statt eines bitteren Hopfenbretts und alkoholischer Schärfe tranken wir ein gold-farbenes IPA von überraschender Süffigkeit. Strahlig die Hopfenaromen in der Nase, am Gaumen bindet klare Frische den bitteren Hopfen ein. Gefährlich süffig denke ich mir, während ich den angenehm langen Abgang genieße. Wenn Stone beim Deutschlandstart auf seinem US-Preisniveau bleibt (650ml-Flasche für etwa 5 US-Dollar), können sich die deutschen Teuer-Männer warm einpacken.

Und dann gabs noch folgende positive Überraschungen:

gbt151-02614Ich habe mir echt Schaum auf die Lippen gefreutm, dass die „nebenamtlichen“ Brauer Holger und Simon vom Kölner Denkbräu mit ihren Bieren am Start waren. Das naturtrübe obergärige Wiess geht immer – die Hefenote ist hier deutlich stärker als bei anderen Wiess-Sorten.

Mein Abschluss war das Rauchbier – eine Hommage an Bamberg – im Vergleich zum Schlenkerla ist dieser flüssige Räucherschinken ngenehmer. Probieren ja, mögen muss ich diese Intensität nicht. Geht mir aber bei jedem Rauchbier so.

Vorgemerkt für den Sommer: Ostheimer Bürgerbräu Vollbier: Huch, ist das süffig! Das war die einhellige Meinung zu dieser Flasche aus der fränkischen Rhön. Anders als Fernsehbiere zaubert der Duft irgendwas mit leichten Vanillearomen, hellem Karamell und junger Eiche. Im Mund eine wunderbare Erfrischung aus strahliger Klarheit mit unaufdringlichen Säure und leicht-herber Würze. Das wird garantiert noch besser, wenn es draußen Richtung 30 Grad geht. Der Sommer kann kommen.

Schlussbemerkungen

gbt151-02612Ich hätte mir das alles ja nicht merken können, doch Dennis vom Männerabend hat uns alle mit seinem aufgeräumten Zettel für Verkostungsnotizen versorgt.

Einigkeit besteht, dass wir das Guerillabeertasting fortsetzen wollen. Interessenten dafür können sich gerne bei mir melden. Wir wissen noch nicht, wann, wie und wo. Aber das wird kein Hinderniss.

Mehr Bilder vom Abend gibt es auf Facebook.

In den Kronkolonien hat man im 19. Jahrhundert das IP.A 1:1 nach erfolgreicher Überfahrt mit Wasser verdünnt. Wir haben darauf verzichtet. Bei jeder einzelnen Flasche.

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