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„Was hast du nun wieder vor?“ murmelte er leise, als er die kleine Backstube betrat und sich umsah. Seit seine Frau Marga letztes Jahr diesen bescheuerten Backblogger-Preis gewonnen hatte, war sie nicht mehr zu bremsen. Leidenschaft schön und gut, aber Margas Backwahn entwickelte sich seither zum Fanatismus. So wie ihre Backstube, die sie nach dem Preis in ihrem gemeinsamen erworbenen Altbau als erstes saniert hatte.

Und das alles von seinem Geld. Die ungewöhnlichen Zutaten, die teuren Mehle und Backgeräte fand er noch in Ordnung. Bei den Broten, Kuchen, Torten oder Keksen hatte er ja etwas davon. Dann begannen die Backorgien mit wildfremden Backfanatikerinnen aus dem Internet. Ganz besonders störte ihn dieser Markus, mit dem Marga seit einigen Wochen zuviel Zeit für Backrezepte verbrachte. Lief da etwas? Benötigte sie deshalb immer mehr Geld für Fahrkarten zu Backseminaren? Vorgestern warsie schon wieder aufgebrochen. Eben hatte sie ihn angerufen, dass nicht mehr daran gedacht hatte, dass noch Hefeteig in der Backstube ruhte. Ob er nicht schnell… Bitte!

„Was hast du nun wieder vor?“ Der Hefegeruch in der kleinen Backstube war so intensiv, dass er schon bitter schmeckte. Zur Arbeitsfläche mit dem einzigen Fenster des Raumes kam er kaum durch, weil die drei Rollregale für die Bleche den Weg versperrten. Hinter ihm schlug die Tür zu. Er schob das erste Regal zur Seite. Die Bleche waren voller hellem Teig. Da war nichts aufgegangen. Flach lag der Teig da, vereinzelt erkannte er kleine Bläschen. Dieses Chaos bestätigte ihn: Nach all den Streitereien der vergangenen Monate um das überbordende Hobby Margas und sein Geld, das dafür draufging, war er froh, dass er sich entschlossen hatte, Marga zu verlassen. Sollte sie doch künftig ihr eigenes Geld fürs Backen verdienen.

Er schob den zweiten Regalwagen zur Seite. Auch hier dieser verhunzte Teig. „Und die Heizung hat sie auch angelassen,“ murmelte er und wischte sich über die feuchte Stirn. Der Hefegestank war so widerlich, dass in ihm Brechreiz aufstieg. Er rumpelte an das Regal und fluchte leise. Das dritte Rollregal stand nun vor ihm, ebenfalls voller Teig. Als er es zur Seite schieben wollte, griff er daneben. Das Blut pulsierte in seinem Hals. Er hatte den Eindruck zwischen den drei Regalen gefangen zu sein. „Nur noch das Fenster öffnen, dann hat der Spuk ein Ende.“ Er lehnte sich auf die Arbeitsplatte, das Fenster erschien ihm plötzlich unerreichbar weit weg. Als er nach oben greifen wollte, krampfte sein Arm. Er rutschte auf die Knie und verzweifelte: Wie sollte er nach draußen kommen? Er schrie. Einmal, zweimal. Dann drehte sich alles um ihn. Er sah über sich das Fenster der Backstube. Dann brach er zusammen.

Pizzateig

Bei Hefeteig zerlegen Hefepilze Stärke und Zucker zu Wasser, Alkohol und Kohlendioxid. Glutenhaltigen Mehle binden die Masse des Kohlendioxids – der Teig geht auf. Bei Gersten- oder Hafermehl entweicht das Gas. Die Gasproduktion ist abhängig von der Menge der Hefe und der Temperatur. 20 Prozent Hefe im Teig bei 35 Grad produziert das meiste Kohlendioxid. – lecker ist diese Kombination nicht.

Die Luft besteht zu rund 21 Prozent aus Sauerstoff und zu 0,04 Prozent aus Kohlendioxid. Bereits 4 Prozent weniger Sauerstoff führen zu Wahrnehmungseinschränkungen, bei einem Anteil von 2 Prozent Kohlendioxid treten Atembeschwerden, Brechreiz und erhöhte Pulsfrequenz auf. Mit der Zeit und höheren Werten folgen Schwindel, Panikattacken und Ohnmacht. Das Gehirn wird nicht mehr durchblutet. Es kommt zum Tod.

P.S.: Mittlerweile gibt es einen neuen Mord.

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