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Das Familienunternehmen kauft seine Kartoffeln fast ausschließlich von lokalen Landwirten. Die Bauern liefern selbst an. Ganz sorgfältig: Keine Knolle darf während Ernte und Transport tiefer als 20 Zentimeter fallen. Alles für ein Produkt: Chips.

1,2 Millimeter dünn werden die besonders stärkehaltigen Kartoffelsorten geschnitten. An den Schnittstellen bilden sich sofort weiße Stärkeablagerungen. Die Stärke wird abgewaschen und als Schmiermittel für Tiefseebohrungen weiterverkauft. Überhaupt gehen viele „Abfallprodukte“ in die weitere Verwertung: Schalen und Kartoffelreste landem im Trog als Viehfutter.

Chips statt Bits

Zwei Minuten frittieren die Scheiben in Sonnenblumenöl. Auf Palmöl verzichten die Inhaber – aus ökologischen Gründen. Lange bevor die Diskussion um Brandrodung die Öffentlichkeit erreichte. Auf einen Internetauftritt verzichtet das Familienunternehmen: Die Kartoffelchips sollen für sich sprechen.

Drei Zutaten braucht es für die Chips: Kartoffel, Öl und Salz. Oder eben Paprikamischung, die ein Schweizer Ingenieur vor vierzig Jahren in den Betrieb brachte. Heute ist Paprika die beliebteste Sorte in Deutschland. Und der Paprikachip der Garant, bisher allen Übernahmeversuchen internationaler Snackkonzernen erfolgreich trotzen zu können.

Geheime Zutat?

Und wo ist die geheime Zutat, die süchtig nach Chips macht? „Es ist nur der Knusperschmelz – frisch und dünn müssen sie sein“, lächelt der oberste Chipsbäcker, als er mir auf einer Portionierschaufel die frisch gewürzten, noch lauwarmen Chips reicht. Der Duft der Paprika steigt mir in die Nase, lange bevor es am Gaumen knusprig kracht – deutlich besser und frischer als es irgend ein Chip aus der Tüte schafft.

Natürlich, frisch und gute Qualität – das Mantra höre ich oft an diesem Abend rund um die dampfende Riesen-Friteuse, aus der die knusprigen Süchtigmacher munter purzeln. Doch lange währt die Freiheit der Chips nicht. Sie verschwinden in der Verpackungsstraße. Rot und Grün glänzt die Tüte. Etwa 80 Kilogramm „Chipsfrisch ungarisch“ landen auf einer Europalette, die im dunklen Lager verschwindet. Um wieder in einem Supermarkt-Regal aufzutauchen. Natürlich? Frisch? Wer denkt da  noch dran, wenn er die Plastiktüte in den Händen hält.

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