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„Nach einer Bombenexplosion hätte es hier wahrscheinlich auch nicht anders ausgesehen.“ Markus Szebesta von der Spurensicherung zog sich die Einweghandschuhe aus, als er über das Flatterband vor der zerstörten Lehrküche stieg. „Gas. Eindeutig!“ sagte er zu Kommissarin Katharina Mahnke, die sich gerade die Schutzpantoffeln überzog. Zwei Kollegen in weißen Overalls trugen hinter ihr gerade einen grauen Kunststoffsarg vorbei. „Nummer Vier. Das war der Kochlehrer“, sagte Szebesta.

Die Kommissarin schaute auf: „Vito di Santo? Der hatte hier erst vor zwei Monaten angefangen.“ Szebesta warf seine Pantoffeln in einen Müllsack. „Keine Ahnung, die übrigen fünf seiner Schüler aus dem Kurs liegen jetzt jedenfalls im Krankenhaus. Schau mal:“ Der Spurensicherer hielt der Kommissarin einen zerfetzten Schlauch vor die Nase. „An dieser Stelle wurde er aufgeschlitzt. Scharfe Messer hat es hier ja genug. Dann macht einer den Gasherd an … und BUMM!“

Der Kommissarin passte das ganze Szenario nicht: „Warum hat keiner etwas gemerkt? Propangas riecht man doch.“ Sie stieg über das Flatterband und trat durch den Türrahmen. An ein Seite war er aus der Wand gerissen. In der Küche klaffte links ein Loch in der Küchenzeile, die Edelstahlflächen zerfetzt und verbogen. Die Arbeitsplatte lag in Teilen zwischen Besteck, Töpfen und Pasta, übersät von Holzspänen. Unter den Schutzpantoffeln knirschte es. Grobes Meersalz? Sie bückte sich, ein paar Visitenkarten mit einer feinen Mehlschicht lagen vor Mahnke. „Lola – lecker gekocht, lustig gebloggt“ las sie, nachdem ihre Fingerspitze den weißen Film wegwischt hatte – gibt es nur noch Foddblogger heutzutage? Daneben geheftete Kopien mit den Rezepten des Abends, in der Mitte ein Loch – vielleicht hatte ein Salatbesteck sie bei der Explosion durchschlagen. Die Überschrift konnte Mahnke noch lesen: „Räuchern in der Keksdose“. Das hatte doch Jamie Oliver mal gemacht.

„Szebi?“ rief Mahnke nach draußen. „Kann Rauch den Gasgeruch überdecken?“

„Wenn er intensiv genug ist, klar.“

Mahnke hielt sich einige gebräunte Holzspäne unter die Nase: Der typische Räuchergeruch. „Gibt es ein Programm und Teilnehmerliste?“

„Ja, aber die Teilnehmerliste taugt nur bedingt“, ertönte jetzt eine zweite Stimme von draußen. Mahnkes Kollege Matthias Tonbach stand mit zwei Zetteln in der Hand vor dem geborstenen Türrahmen. „Heute hätte es zweimal den Räucherkurs geben sollen. Der erste fand heute Nachmittag statt. Die Toten stammen alle aus dem Abendkurs. Allerdings stehen nur jeweils sechs Teilnehmer drauf – der Rest lief schwarz mit. Hat di Santo häufiger gemacht. Die Inhaberin hier hat das eben zugegeben.“

„Na, super.“ Mahnke schmiss die Holzspäne auf den Boden. Mindestens vier Unbekannte am Tatort. Die Kommissarin schritt dem aufgeklebten Pfad der Spurensicherung zurück. „Meinst du, wir finden die Namen bei di Santo zu Hause? Können wir die Verletzten befragen“ Der Kollege hob leicht die Schultern: „Lass es uns versuchen. Bist du hier fertig?“ Sie nickte. Dann drehten sich die beiden zum Dienstwagen und stiegen ein.

Marga saß auf der Couch und schaute die Lokalnachrichten. „Vier Tote bei Gasexplosion während eines Kochkurses“. Sie nahm einen weiteren Schluck Rhabarberschorle. Jetzt, wo die Stelle wieder frei war: Ob man sie endlich fragen würde den Kurs zu übernehmen?

P.S.: Es gibt zwei weitere Geschichten mit Marga – wahlweise mit Dessert oder Hefeteig.

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