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MuffinkrümelJ.P. ist zweieinhalb Jahre alt. In einem der Trillionen Erziehungsratgebern steht, man solle seinen Kindern etwas zutrauen. Wenn ich also mit J.P. ausgehe, dann lasse ich ihn alleine bestellen und essen. Wir prosten uns zu, und auch sonst haben Vater und Sohn meist jede Menge Spaß. Im gastronomischen Deutschland ist das nicht selbstverständlich. Der Inhaber eines Cafés in meinem Viertel findet beispielsweise Hunde viel liebenswerter als Kinder. Mit Hingabe begrüßt und knuddelt er die Tiere an der Eingangstür. Wie praktisch: Anschließend stellt man sie mit einem Wassernapf vor dem Laden ruhig. Der Inhaber zieht danach mit  ungewaschenen Händen den nächsten Cappuccino für die Kundschaft. Ist ein sehr beliebter Laden.

J.P. war noch keine zwei Jahr alt, da hat ihn eine Vierjährige als „blöden Junge“ beschimpft. Darauf war ich stolz. Die Oma der Vierjährigen maßregelte die Kleine mit dem regelmäßigen Hinweis darauf, wie schön der Junge am Nachbartisch seinen Blumenkohl mit Kartoffeln essen würde. Nachdem die beiden gezahlt hatten, gingen sie bei uns am Tisch vorbei und es fauchte: „Blöder Junge!“

Im Ausland ist Essen mit Kind oft entspannter. Als ich noch ohne J.P. unterwegs war, bestaunte ich immer die Selbstverständlichkeit, wie spanische Familien mit Sack und Pack das Abendessen im Restaurant genießen. Vor 21:30 tauchen die nie auf. In Deutschland überlegen sich da schon die ersten, wie man um diese Zeit wohl per Whatsapp das Jugendamt erreicht. Auch in den Niederlanden habe ich schöne Vater-Sohn-Erfahrungen gesammelt. J.P. räumt in einem Bistro eine gut sortierte Spielekiste um, während ich mich beim Kaffee mit der Inhaberin über ihre Bierauswahl unterhalte. Dann verschwindet sie und kehrt mit der Adresse der Brauerei zurück: „Da geht ihr heute Abend essen: Für den Sohn gibt es einen schönen Spielplatz und für den Papa genug gutes Bier!“

Gestärkt durch solche Erlebnisse setzen J.P. und ich unsere Mission für eine Vater-Sohn-gerechte Ausgehkultur fort. In der Pizzabude um die Ecke klappt das schon ganz gut: Zwar steht keine Kinderportion auf der Karte, aber wir bekommen mittlerweile trotzdem unsere kleine Pizza zum kleinen Preis nach J.P.s Wünschen belegt. (Ganz anders in einem Restaurant in Antwerpen, wo man zwar Kinderportionen bestellen kann, diese aber regulär berechnet werden: „Sie können sich den Rest ja einpacken lassen. Für uns ist die Abrechnung sonst zu kompliziert.“)

Offensichtlich sind es gerade die scheinbar kinderuntauglichen Orte, an denen man die besten Vater-Sohn-Erfahrungen macht. Im wiedereröffneten Lommerzheim im Viertel ist das gemeinsame Abendessen kein Problem. Zum Kotelett kommt der kleine leere Teller wie automatisch dazu. J.P. hat seinen eigenen Deckel fürs Wasser und wenn er will, darf er zuschauen, wie ein neues Fass angezapft wird.

indonesische TofuwürfelMit J.P. bin ich am Sonntag beim Kölner Street-Food-Festival gewesen. Wartezeiten? Hungrige Kinder. Gedrängel? Kind verloren. Alles fehlanzeige! Für uns war es eine richtig entspannte Sache. Der monatliche Rhythmus in Köln hat die Besucherströme auf ein angenehmes Maß eingependelt. Und neben der bunten kulinarischen Auswahl lädt die Event-Location Jack in the Box mit Innen- und Außenbereich – inklusive Sand und Spielzeug – zum Verweilen ein. Und weil alles frisch zubereitet wird, gibt’s jede Menge für J.P. zu entdecken. Und nicht nur als Vater ist es immer gut, jemanden zum Teilen dabei zu haben … kann halt nur sein, dass ich Konkurrenz durch Spielkameraden bekomme.

J.P. beobachtet einen Smoker

Fehlen nur wieder die Sittenwächter: Das hatten wir neulich in unserer Pizzabude um die Ecke: Nach einem Tag im Garten prosteten wir uns abends mit Apfelschorle und Kölsch zu, als zwei moralinschwangere junge Frauen am Tisch vorbeigingen.

„Du kannst doch kein Kölsch trinken, wenn dein Kind dabei ist!“

„Was soll ich tun, Alt gibt es hier nicht.“

Und J.P.: „Mein Papa darf Bier trinken!“

 

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