Schlagwörter

,

Ich glaube, es war ein Tropfen des 2014er Riesling Kabinett von Julian Haart, der den Karton der Titelseite nun genau zwischen den beiden Nackedeis aufwölbt: Mein Exemplar der Erstausgabe des neuen Schluck-Magazin. Ein „anstößiges Weinmagazin“ behauptet der Untertitel. Doch wer zu schnell urteilt, wird grandios eines besseren belehrt: Das Paar auf dem Titel stellt ein Bordeaux-Weinetikett aus der Feder eines Charlie Hebdo-Zeichners nach.

Titel vom Schluck-MagazinHuch: Ein Weinmagazin, das politisch ist? Auch das. Und noch viel mehr. Wenige Tage nach der offiziellen Release-Party treffe ich Julia Klüber und Paul Truzskowski, zwei der drei Herausgeber am Ort des Geschehens. Kaum habe ich Schluck das erste Mal durchgeblättert, entreißt Paul mir mein Exemplar wieder, stürmt durch die Berliner Cordobar und ruft „Bekommst du gleich wieder!“

Schluck ist kein gelecktes Ding aus irgendeinem Hamburger oder Münchner Redaktionslabor; Schluck ist die laute Seite der Weinwelt: Texte, Bilder und Layout atmen Rock’n’Roll – wild und leidenschaftlich, unangepasst, rassig, bunt, nur dem Genuss und nicht der (dem) Etikette verpflichtet. Ungefähr so wie ein Schneider-Wein, den Torsten Goffin in der aktuellen Ausgabe beschreibt.

Blättern durch das MagazinPaul bringt mir mein Exemplar wieder: Gefühlt versammelt sich die halbe Wein- und Genussszene zwischen den Umschlagseiten. Ich verschlinge, wie Sommelier Gerhard Retter gegen elitäre Etikettensäufer wettert und staune über die fast wissenschaftlichen Ausführungen zu Champagner von Christoph Raffelt. Und dann noch Weingut-Architektur, Sex und orale Befriedigung, ein Interview mit einem italienischen Spitzenkoch – sorry, nicht irgendeinem sondern Massimo Bottura. Alles dabei.

„Du musst mir das Heft noch einmal geben.“ Diesmal verschwindet mein Exemplar nach draußen. Dafür lässt Cordobar-Inhaber Willi Schlögl eine angebrochene Magnumflasche kreisen. Passt ja: Es ist ein Schneider Saumagen.

Dann kommt mein Exemplar wieder: Ich versinke in den Themen jenseits des Glases: Der Chefredakteur Manfred Klimek verwünscht den gemeinen Steakfresser, fast schon weinerlich wünscht Hendrik Haase, der Wurst möge auch soviel Kult wie Wein zuteil werden und der kalifornische Craftbeer-Lautsprecher Greg Koch von Stone basht verbohrte Weintrinke. Lediglich am Ende flachen die Seiten etwas in die Berliner Käseglocke ab. Doch das ist verzeihlich, weil heimelich. Und so bleibt nur: Warten auf den nächsten Paukenschlag im März und „aufhören weniger Wein zu trinken“.

Glas auf dem Schluck-MagazinIrgendwann am frühen Morgen haben ich mein Exemplar vom Schluck sicher in der Tasche verstaut. Julian Haart wird nicht der letzte Fleck auf meinem Exemplar bleiben.

Zum Wohl!

Advertisements