Schlagwörter

,

Die Zahl der Gins hat mittlerweile etwas Inflationäres. Gefühlt schmeißt jeder seinen eigenen auf den Markt. Warum der Trend funktioniert? Gin ist massentauglich in verschiedener Hinsicht:

  1. Gin ist in der Produktion weder lokal begrenzt (Darum war der Hipster-Hype um Mezcal auch eine Berliner Totgeburt), es gibt kaum Vorgaben in der Produktion und ist günstig zu produzieren (Sogar in der heimischen Küche, verraten von Harrison und Ridley in ihrem aktuellen Buch Spirits).
  2. Gin lässt sich dank der Kräuter hervorragend „regionalisieren“. Besonders über die feinen, floralen und leichten Aromen positionieren sich neue Anbieter Marktsegmente abseits der traditionellen Wacholderwucht (Dabei ist das historisch eher die typische Seite des Gin).
  3. Gin bietet eine überschaubare Preisspanne (Natürlich gibt es Ausnahmen!) und ist bereits zu massenmarkttauglichen Preisen genießbar (Rum dagegen ist billig pfui und meist erst teuer hui).
  4. Gin bietet auch Laien schon leicht erkennbare Geschmacksunterschiede, die noch dazu leicht erhältlich sind (Mach mal eine Vodka-Verkostung mit Einsteigern!).
  5. Gin geht nicht nur pur sondern hat einen Cocktailklassiker für jeden Geschmack parat (vom klassischen Martini bis zur Verfeinerung mit Gurke, Thymian oder anderem Kraut und Gemüse – und wenn es nur der Gin Tonic ist).
  6. … und ist der Markt erstmal da, klappt es auch mit den höherpreisigen Tropfen.

Es gibt Neues!

Zwei neue Gins auf dem deutschen Markt gehen mit diesem Trend auf ihre ganz eigene Weise um:

Das Spendenprojekt Refugin macht sich genau diese Marktmechanismen für eine gute Sache zunutze, während der Sünner Dry Gin No 260 Sinner Strength mit einem Navy Strength abseits der aktuell ausgetretenen Pfade segelt. Doch außer Wortspielerei im Namen haben die beiden wenig gemein.

Eine Flasche Refugin mit PorbierglasRefugin hat das Hype-Prinzip erkannt: „Gin ist beliebt. Verbraucher geben gerne bis zu 60 Euro für einen Liter der Spirituose aus. Warum, dachten wir, sollte man mit dieser Ausgabebereitschaft nicht etwas Gutes anfangen und den Gewinn für einen sozialen Zweck verwenden? Nicht einen kleinen Teil des Gewinns, wie es andere Marken machen, sondern den ganzen? Ja, warum eigentlich nicht: Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, der dagegen spricht. So wurde aus einer fixen Idee beim Frühsport ein Produkt mit sozialem Mehrwert: Der gesamte Gewinn jeder verkauften Flasche Refugin geht an Organisationen, die Flüchtlingen dabei helfen, sich ein neues Leben aufzubauen.“

Der Refugin arbeitet mit einer aromatisierten Basisspirituose – also kein London Dry. Für eine zitrusreiche Frische und Anklängen von Koriander und Lavendel passt das sehr gut, bereitet jedoch einen durchaus scharfen und leicht spritigen Abgang. Aber das hat den Markt auch schon beim Hendrick’s nicht gestört. Für einen feinen, frischen Gin & Tonic ein wunderbarer Spirit inklusive gutem Gewissen.

Eine Flasche "Sinner Strength"Die Alkoholklatsche hätte ich eher beim neuen Sünner Gin erwartet. Die Kölner Brauerei und Brenner Sünner war schon bei ihrem ersten Gin vor knapp drei Jahren jenseits des Mainstreams: Mit dem No 260 brannten sie eine sehr traditionelle Wacholderbombe im Stile der großen englischen Namen. Kein Firlefanz sondern ein wuchtig klarer London Dry, noch dazu eine der günstigsten deutschen Gin-Sorten. Jetzt haben sie mit einer Navy Strength (Gin mit 57 Prozent Alkohol) nachgelegt und damit wieder auf eine alte Gin-Variante gesetzt. Wieder stammen die Aromen fast ausschließlich aus dem Brennvorgang, nur mit Paradieskörnern wird anschlließend etwas mazeriert. Das Ergebnis ist ein unerwartet weicher, runder Gin, der wärmt, ohne dass der hohe Alkoholgehalt sich störend auswirkt. Genau das richtige für Schmuddeltage und einem ehrlichen Gin Tonic.

Advertisements