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Das Weihnachtsmenü ist verdaut, das neue Jahr eingeläutet.

Peng! Schon schreibe ich meinen kulinarischen Jahresrückblick 2016:

  1. Foodtruck mit SchlangeStreetfood in freier Wildbahn: Endlich ist Streetfood dort, wo es hingehört: Als variantenreiches, qualitativ hochwertiges Angebot geht es da hin, wo Menschen im Alltag Hunger haben: Die Trucks und Trailer treffe ich überall am Rand von Märkten, bei Festivals, als Kantinenersatz in Gewerbegebieten und werden rege angenommen. Die Streetfoodfestivals am Wochenende sind die entspannte Kür, ein Schaulaufen für die Anbieter und zum Durchprobieren für die Besucher. Livemusik und anderes Begleitprogramm kommt 2016 ebenfalls dazu. Viele Städte ändern ihre Verordnungen, um die sprunghaft gestiegenen Spontan-Stopps der Foodtrucks und die dazugehörigen Flashmobs zu legalisieren und in den Griff zu bekommen.
  2. IMG_20150906_0002WPA-Widerstand: 2015 demonstrierten Zehntausende (unter anderem ) gegen Chlorhühnchen (und letztlich für die einheimische Antibiotika-Aufzucht), 2016 ist das Jahr der Gegner der Wirtschaftspartnerschaftsabkommen WPA – den geplanten Freihandelsabkommen vor allem mit ehemaligen europäischen Kolonien. Viele Bürger haben erkannt, dass Zig-Milliarden ihrer Steuergelder, die für Agrarsubventionen verwendet werden, in solchen Freihandelsabkommen nur als Verkaufsförderung für die europäische Agrarindustrie taugen. Im Jahr 2016 erreichen vermehrt Armutsflüchtlinge aus den afrikanischen Ländern Deutschland und Europa. Es sind überwiedend Bauern und Landarbeiter, die wegen der Billigimporte aus Europe nicht genug in der Landwirtschaft verdienen, um ihre Familien zu ernähren. In einem riesigen Sternmarsch ziehen sie im Herbst gemeinsam mit WPA-Gegnern in Berlin vor den Bundestag.
  3. Hartz IV-Empfänger entdecken Bio- und regional: Die Behauptung, man dürfe PuddingzutatenLebensmittel nicht teurer machen, weil viele Menschen sie sich sonst nicht mehr leisten können, zieht nicht mehr. In kaum einen Land der Welt sind Lebensmittel so günstig und hygienisch-rein wie in Deutschland. Qualität? Naturbelassenheit? Produktionsweise? Das interessierte bisher kaum. 2016 entdecken die Deutschen, wie sie bei gleichen Kosten mehr Lebensmittelqualität erreichen: McDonalds und Burger Kind erleben einen Einbruch, weil die Zahl der bestellten Maxi-Menüs zurückgeht. Wo sitzt die Konkurrenz? In der heimischen Küche: Selbst gemacht zum selben Preis ist die Devise. Und dazu mehr Streetfood und kleine Eckläden. Ähnlich ergeht es Hipp und Nestlé, weil Pudding und Babynahrung deutlich günstiger in höherer Qualität genauso schnell selbst gekocht werden können. Branchenexperten erwarten, dass ab 2017 die ersten Tüten aus den Regalen verschwinden. Auch die Nachfrage nach Zigaretten und edel-vermarktetes Tierfutter (Erinnert sich noch jemand an die Petersilie auf dem Klops Sheba?) sinkt. Eltern geben das Geld lieber auf dem Markt für Ihre Kinder aus.
  4. Craftbeer-02364Lokale Brauer statt Craft: Viele kleine, deutsche Brauereien sind längst Vergangenheit. Andere haben sich wie Dr. Oetker mit Radeberger/Braufactum oder Bitburger zu Familienkonglomeraten entwickelt, ein großer Teil sind Marken internationaler Braukonzerne – etwa Astra, Becks oder Paulaner – geworden . Die verbliebenden lokalen Brauereien erleben 2016 am Rande des Craftbeer-Trends einen Boom. Der Blick der Qualitätstrinker unter den Bierfreunden wendet endlich den Blick ab von den US-geprägten Sorten. Aromahopfenzüchtungen, IPAs, Pale Ales, Barley Wines haben zwar ihre Nische gefunden, aber Deutschland trinkt jetzt deutsches Brauhandwerk. Ganz retro: Mehr Bock statt Imperial! Mehr Schwarzviertler statt Stout! Prost mit Porter, geil auf Gose.
  5. Brombeer2014-01207Lobbyismus der Communities wirkt: Fleißig schrieben Referenten in Berlin Gesetzesvorlagen. Überall sprießen Lebensmitteltauschbörsen aus dem Boden. Selbstgemachtes und Mitgebrachtes (zum Beispiel nach der Rückkehr aus den oben erwähnten lokalen Brauereien) stehen hoch im Kurs. Seit 2016 sind immer mehr Fleischprodukte dabei. Deutschland ist auf der Suche nach lokalem Fleisch, doch die Metzger kapitulieren reihenweise vor den Auflagen und der Billigkonkurrenz. Verbreitet sind Supperclubs, private Kellerbars und andere Guerilla-Foodevents. Damit Todesfälle wie Anfang des Jahres wegen mangelnder Hygiene und falscher Pflanzenaufzucht künftig vermieden werden, werden nach und nach die Vorgaben und Kontrollen angepasst. Nur einige Nahrungsmittelkonzerne und Handelsunternehmen wehren sich noch gegen die dezentrale Macht der neuen Food Communities.

Du glaubst das nicht? Ich gebe zu, eher habe ich kulinarische Wünsche niedergeschrieben. Doch wären es nicht auch schöne Ziele, die man in diesem Jahr erreichen möchte? Was ist dein kulinarisches Ziel?

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