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Enis Izmiroglu mit seiner KühlboxBis vor einer Woche lief beim Stichwort „Lieferservice“ folgendes Kopfkino bei mir ab: Lauwarme Pizza, verkochte Nudeln in überwürzter Sauce, dazu irgendein Wein oben drauf. Dann stand Enis Izmiroglu vor meiner Tür. In der Hand die schwarze Isolierbox mit seinem orangefarbenen Logo darauf. Darin ein komplettes Menü mit Suppe, zwei Hauptspeisen und zwei Desserts. Das Essen war eiskalt.

SooLecker-4Enis hat im Januar in Köln den Lieferservice SooLecker.de gestartet. Wir haben gemeinsam probegegessen und über seine Idee gesprochen. „Im Grunde ist es der schnellste Lieferservice, den man haben kann“, sagt Enis. Denn sein Essen kommt nur gekühlt: Im Lauf des Tages oder bis zu einer Woche im Voraus bestellbar, vorgegart, verpackt und zur Wunschzeit geliefert. Zuhause geht es dann für ein paar Minuten in die Mikrowelle oder in den Ofen. Damit ist das Problem der lauwarmen Lieferkartoninhalte gelöst.

Enis und ich probieren das SooLecker-MenüZwei Schälchen Süßkartoffel-Ananassuppe wandern aus der Isobox in die Küche. Ich bin skeptisch. Kann „Fertigessen“ wirklich schmecken? Enis erklärt: „Ich finde es eine gute Idee, gutes Essen zu liefern. Viele Menschen haben keine Zeit immer selbst zu kochen.“ Eine Portion der Suppe wandert in die Mikrowelle, die andere in den Ofen. Ein Koch bereitet die Menüs vor – die Rezepte sind speziell auf das Vorgaren und einige Tage Haltbarkeit optimiert. „Ich achte auf möglichst natürliche Zutaten und nach Möglichkeit keine künstlichen Konservierungs- und Zusatzstoffe.“

Süßkartoffel-AnanassuppeDann ist die Suppe fertig. Ich reiße das verschweißte Schälchen auf: Ein Duft wie frisch aus dem Topf, eine Sämigkeit wie frisch püriert. Okay, denke ich, mit Suppe kann man nicht viel falsch machen. Ich schiebe das Lachsfilet und das vegetarische Angebot „Spinatbbällchen auf Ratatouille“ in den Ofen. „Es ist schwierig Kunden zu aquirieren“, erzählt Enis. „Im Moment teste ich noch viel im Bekanntenkreis und habe eine kleine Stammkundschaft, die bestellt.“ Gesundes Essen liefern und sich damit das Leben einfacher machen zu lassen – dieses Verhaltensmuster müsse mit dem Kundenstamm erst wachsen. Ich ertappe mich selbst dabei, wie ich wieder skeptisch in die Kühlbox schaue. Optisch machen die Portionen jedenfalls etwas her.

Enis Izmiroglu war Führungskraft in einem deutschen Konzern, hat sich abfinden lassen und finanziert seine Idee von Soo lecker damit ganz ohne fremdes Kapital. Mitten in seiner einjährigen Vorbereitungsphase platzte in Berlin ein ähnliches Konzept: eatfirst – edles Essen mit Lieferdienst zum Selbsterhitzen. Nach wenigen Monaten waren sie vom Markt. „Der Lärm da draußen ist groß“, weiß Enis. „Jeden Morgen laufe ich an den Plakaten der Lieferdienste vorbei.“ Ja, der Lärm.

Spinatbällchen mit RatatouilleZuerst serviere ich die Spinatbällchen mit Gemüse. Ich staune: Das Ratatouille hat Biss und die einzelnen Zutaten schmecken deutlich hervor. „Nicht alle Gerichte können wir anbieten. Ein Schnitzel zum Beispiel würde vorgegart nicht funktionieren.“ Ob der Lachs funktioniert, frage ich mich noch, als ich vom zweiten Hauptgang probiere. Er funktioniert! Kein bisschen trocken, immer noch saftig, frischer Geschmack. Kurz: Ich habe noch nie so gutes Lieferessen gegessen. Und es funktioniert hervorragend aus der Mikrowelle. Unglaublich! Auch in vielen Restaurants speist man nicht besser.

Schokokuchen und ObstsalatIch öffne uns eine Flasche Wein. Im Moment tüftelt Enis noch an der richtigen Positionierung. Denn die Preise sind bedingt durch Zutaten und Lieferdienst per Radkurier vergleichbar mit Restaurantpreisen. Wir spinnen darüber, für ein geliefertes Candle Light Dinner die Kerze in die Kühlbox zu legen. Oder Tischtuch, oder Service dazu … für das romantische Restaurantfeeling zu Hause. „Es gibt viele Tiefs auf dieser Reise, aber ich habe noch viele Ideen, die ich ausprobieren möchte.“ Enis verrät: „Wenn es scheitert, dann an der Kostenfrage.“ Er hat sich eine klare Deadline gesetzt, wie lange er probieren wird, bis es funktionieren soll.

Wäre schade, denke ich, während ich den gebackenen Schokopudding mit Himbeeren auslöffle. Er schmeckt, als hätte der Koch eben erst das Fruchtpüree untergehoben.

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