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In Zeiten, in denen eine Stadt keine richtige Stadt mehr ist, wenn sie nicht wenigstens einen angesagten, bewusst-einkaufenden-bewusster-genießenden Burger-Laden in ihr Straßenbild kleistern kann, entdeckt der findige Fleischkonsument den Tee für echte Kerle – Hipster-Mädchen eingeschlossen. Denn nach gehobenen Burger- und Fleischvarianten rauf und runter, taucht nun immer mehr die Viecherei zum Trinken auf: Die Fleischanbieter von Gourmetfleisch nennen ihn T-Bone Tea, auf den Speisekarten fleischschmeckender Burger- und Fleischverbesserer findet sich Beaf Tea statt Süppchen. Der Marketer wittert Mammon. Justus von Liebig gähnt ein bisschen im Grab. Denn der deutsche Chemiker hat erfunden. 1852. Damals hieß es noch „Fleischinfusum“ und war ein Krankentrank für Menschen, die keine feste Nahrung mehr aufnehmen konnten. Später kam es als „Liebigs Fleischextrakt“ auf den Markt – gemeinsam mit einem Unternehmen als Massenprodukt in Uruguay entwickelt, weil Rindfleisch Ausschussware der Lederindustrie war. Am Ende durfte es dann noch Kraftspender für Weltkriegstruppen werden, bevor es aus der Wahrnehmung verschwand: Rindfleisch gewann an Wert und die großen Mengen an Ausschuss machten qualitativ hochwertige Fleischextrakte zu teuer. Aber jetzt ist wieder cool! (ob jetzt wieder die Qualität stimmt? Unter anderem der Masked Chef zweifelt daran.

Angelehnt an die Geschichte und mit einer Lösung für die „Reste“ habe ich nicht ganz ein Extrakt, doch zumindest eine Super-Consommé, entwickelt. Ich nenne meine Suppe „Burger Tea“, weil ein Haufen gutes Rinderhack drin ist! Das Flüssig-Fleisch ist perfekt für kalte Tage und kratzende Hälse. Und eine Idee für einen ersten Gang zu Weihnachten – serviert im Teetässchen.

Burger Tea im TeeglasDoch jetzt wird gekocht:

  • 600 gr Rinderhack
  • 300 gr Rinderbeinscheibe
  • eine Möhre
  • zwei Stangen Sellerie
  • zwei Lorbeerblätter
  • drei Nelken
  • etwas Salz
  • einige Pimentkörner
  • 150 ml Rotwein
  • eine Zwiebel
  • eine halbe Stange Lauch
  • 1,5 l Wasser

Alles zusammen für 1,5 Stunden in den Schnellkochtopf. Das Praktische ist: Die Brühe danach ist so klar, dass ich sie nur doch ein normales Feinsieb gießen muss. Aufbewahren lässt sie sich durch Einwecken oder Einfrieren.

Burger Tea mit Tasse und LöffelUnd der Rest? Das Beinfleisch gibt’s mit etwas frischem Meerrettich. Und das ausgelaugte Hack mit Gemüse werte ich mit Tomatenfruchfleisch und kräftigem Olivenöl als Pastasauce auf. Ohne Kamille!

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