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Es sind diese Drinks, die so anders sind als die üblichen Lieblinge. Sie balancieren auf dem schmalen Grat zwischen grandios und untrinkbar. Drinks, die Aufmerksamkeit fordern – sie wollen, dass man sich mit ihnen beschäftigt. Sie werden wohl nie den Rausch des Mainstream erleben: Zu ungewöhnlich das Aromenspiel, wild, anders, eigen, abseitig. Hassen oder lieben? Entdecken ist angebracht, nachspüren, offen sein, in einer Zeit, in der so wenig Platz dafür ist. Der Mezcal mit seiner erdig-rauchigen Fruchtigkeit gehört für mich dazu, und sicher einiges an Whisky, die Schärfe und Intensität eines Fogo-Wein. Von Asien ganz zu schweigen. Oder zwei Cocktails mit Kaffee. Aber nicht irgendwie, sondern mit Infusion.

Über 7 Kilo Kaffee. Das ist die Menge Kaffee, die der durchschnittliche Deutsche pro Jahr trinkt. Rang 6 in Europa. In der Masse entwickelt sich Klasse – bei Kaffee nennt sich das Third Wave Coffee. Qualität, Nachhaltigkeit, Lifestyle: Erst kam der Filterkaffee zurück, dann wurde zärtlich kalt gezogen – cold brew. Wenig bekannt ist (noch) die Zubereitung als Tee. Im Englischen nennt sich das Coffee Cherry Tea – in Bolivien werden sonnengetrocknete Bohnen traditionell als Sultana getrunken.

Kommen wir zurück zum Kaffee im Schnaps: Doch bevor es ans Mixen und Trinken geht, bedarf es etwas Vorbereitung.

kaffeedrinks-1Erst einmal einkaufen: Ich bin zu Ernst Kaffeeröster in Köln gegangen. Er ist für seine „fruity“ Aromen bekannt ist und habe mir eine helle Röstung des äthiopischen Yirchacheffe Adado für meine Infusion geholt. Infusion klingt hochtrabend, ist aber nur die englische Vokabel fürs „Ziehen lassen“.

Los, aromatisieren wir … einen einfachen Cachaça – den brasilianischen Zuckerrohrschnaps, weil er zwar etwas eigene Fruchtigkeit mitbringen, ansonsten aber vor allem ein direkter Schnaps ist. Darin dürfen bei Zimmertemperatur in unterschiedlicher Menge unterschiedlich lange die hellen Bohnen langsam ihre Aromen abgeben. Gleichzeitig geben sie dem Sprit einen dezenten goldig-feinen Glanz mit. Knapp zehn Bohnen für 200 Milliliter bei vier Stunden Tauchgang ergeben mein Wunschergebnis: Eine erdige, leicht rauchige Spirituose mit deutlicher Fruchtigkeit, die stark an Mezcal oder Tequila erinnert.

Jetzt mixen? Nein, eine zweite Eigenproduktion fehlt noch: Zitronengrassirup. Dazu koche ich einen halben Stengel frisches Zitronengras fein geschnitten mit 100 ml hellem Rohrzuckersirup auf und lasse es anschließend 15 Minuten ziehen.

Endlich: Jetzt bin ich bereit für zwei gegensätzliche Cocktails aus meiner Cachaça Caffee Infusion – das Yin und Yang in Tumblergläsern.

kaffeedrinks-4Ethopians in Brazil Martini

Tumbler oder Martini-Glas kaltstellen. Beide Zutaten in ein Rührglas mit Eis geben und knapp zehn Sekunden rühren. In das gekühlte Glas abseihen. Der Drink entwickelt überraschend rauchige Aromen und erdige Noten, aus denen dunkle Bitterschokolade sich versteckt, ergänzt mit dunklen Früchten.

kaffeedrinks-3Coffee Cherry Tea Punch

Glas kaltstellen und anschließend mit einer Zitronenscheibe (auch mit der Schale)ausreiben. Die Zitronenschale und die beiden Zutaten mit einem Zitronengrasstengel verrühren. Mit Crushed Ice auffüllen und nochmals kräftig verrühren. Jetzt kommen die frischen Frucht- und Zitrusnoten und Zesten wunderbar zum Vorschein. Eine gewisse Erdigkeit und Kaffeearomatik bleiben erhalten. Kaffee in einer ungewöhnlich leichten Form.

Das Schöne: Nach der Infusion habe ich noch genug Bohnen übrig, um einen Coldbrew für einen Neukreation des Black Jack vorzubereiten. Doch davon später mehr.

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