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Vegan, glutenfrei, lowcarb sind eine Erfindung unserer Postmoderne? Hipster-Trend und Superfood-Folklore?

Vegiss es! Es gibt traditionelle Rezepte, die das längst können. Ein Fladen aus Kirchererbsenmehl gehört dazu. Ihn gibt es nahezu überall auf der Welt und meist schon seit Tausenden von Jahren. Wahrscheinlich ist er sogar verbreiteter als Falafel oder Hummus, die einem sonst in den Sinn kommen, wenn man an Gerichte mit der Hülsenfrucht denkt.

Toskana-05339Jetzt, wo die Frühlingssonne erstmals wärmt, sich bei einer kleinen Auszeit draußen etwas Urlaubsstimmung ausbreitet, habe ich mir ein Rezept aus der Toskana  ausgesucht. Es nennt sich Farinata – auf deutsch „Grütze“, wenig schmeichelhaft – oder wohlwollender Torta di Ceci – für die Deutschen oft einfach Kichererbsenpizza übersetzt. Die freie Übersetzung als „Pizza“ ist so falsch nicht. Denn der Teig wird oft in Pizzaöfen bei hohen Temperaturen ausgebacken – genauso wie der prominente Weizenmehlbruder der Süditaliener. Hin und wieder ist der Fladen belegt, wird meist jedoch einfach mit frischem Pfeffer serviert.

Toskana-05310Die Kichererbse wird in Italien seit dem Altertum kultiviert. Der Farinata spendiert man als Ursprung die Küstenregion um Livorno (es gibt sogar ein Küstenort namens Cecina) und dem hügeligen Hinterland, das vielen Urlaubern vor allem als Transit-Toskana zwischen Meer und dem Postkarten-Urlaub der Crete Senesi dient. Vegetarisch ist die Ecke durchaus bedeutend, wenn auch unterschätzt: Denn neben Wein und Kirchererbse gedeiht hier der Dinkel – Farro – der ebenfalls zu den traditionellen, häufig ignorierten Zutaten der mit toskanischer Tradition zählt. Rinder, Schweine und Bohnen fallen jedem sofort ein, während man an seinem Chianti nuckelt.

Toskana-203924Darum nun ein Loblied auf die Kichererbse, die in der Torta di Ceci ein für die regionale Küche so typisches Gericht uns zaubert: Wie vieles, was wir als typisch toskanisch genießen, stammt die Farinata aus der einfachen Küche und erhält ihre Perfektion durch die besondere Qualität ihrer wenigen Zutaten. Dazu einfach ausreichend Ruhe und Zeit gönnen. Dann klappt es auch mit dem bisschen Urlaub in der Küche. Die Reisedaten im einzelnen:

  • 250 gr Kichererbsenmehl
  • 700 ml handwarmes Wasser
  • 70 ml Olivenöl
  • 10 gr Salz
  • frisch gemahlener Pfeffer

Das Kirchererbsenmehl in eine Schüssel sieben und handwarmes Wasser mit Salz einrühren. Anschließend mit 40 bis 50 ml Olivenöl verrühren und vier bis fünf Stunden ruhen lassen. Hin und wieder umrühren. Nicht wundern: Es bleibt bis zum Backen ein sehr flüssiger Teig.

TortadiCeci--5Dann geht es ans Backen: Ein Backblech (im Original häufig ein rundes Kupferblech) mit dem restlichen Öl auskleiden. Wer Sorgen hat, dass die Farinata kleben bleibt, kann mit einer Silikonbackform arbeiten.

Ofen auf 200 Grad hochfahren. Den Teig in die geölte Backform gießen und für rund 20 Minuten backen, bis der Fladen fest wird und sich golden färbt. Am Ende noch ein paar Minuten mit der Grillfunktion bräunen.

Zum Servieren schwarzen Pfeffer frisch darüber mahlen. In den Gassen Livornos isst man sie zwischen Brötchenhälften als Cinque e Cinque – weil man für den Kichererbsenburger fünf Lire für den Fladen und fünf fürs Brot zahlen musste.

TortadiCeci--2Oder man lässt sich von Pizza und toskanischen Zutaten inspirieren: Am Ende der Backzeit einfach Steinpilze, Pecorino oder Tomaten legen und die Vorspeise weiter aufmotzen.

Guten Appetit! So schmeckt Urlaub.

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