Schlagwörter

, , , ,

„Wer sinn Se?“

Das Verhör beginnt, sofort nachdem ich die Küche betreten habe. Im Zugang zum Gastraum hat ein junger Mann Bierfässer fürs Geschäft zwischen den Jahren von der Palette gewuchtet und mich direkt in die Küche – zum Verhör – gelotst.

Spielbacher2-„Woher kummed Se?“

Am Tisch bereiten zwei Frauen Kartoffelklöße auf Blechen vor. Die kleinere und ältere der beiden ist mir sofort entgegengelauufen, nacheem sie mich am Türsturz sah. Ein Meter fünfzig, größer nicht, stahlgraues Haar zum Zopf gebunden und wache Augen. Skeptisch. Ich hatte damit gerechnet und krame zur Antwort sicherheitshalber mein muttersprachliches hohenlohisch-fränksiches Kauderwelsch hervor.

IMG_20171228_162231_327.jpg„Was wolled Se?“

Bier möchte ich. Doch das wage ich noch nicht zu sagen. Also frage ich erst einmal nach, ob heute Abend noch ein Platz zum Abendessen mit der Familie frei ist. Die Die Brauerrei und ihre Gaststube kenne ich seit meiner Jugend. Gold-Ochsen-Brauerei in Spielbach. „Gleich in der Rechts-Kurve“ war die typische Wegbeschreibung. Welche? Es gibt nur eine. Hausnummer? 19, aber ist egal. Die Brauerei wird seit 1900 von Generation zu Generation weitergegeben. Und außer Todesfällen ändert sich offensichtlich nichts. Unbehauen ist der Familienname – und Programm. Es ist heute Abend kein Platz mehr frei, erst nächstes Jahr wieder. Auch das hat sich also nicht geändert.

Ich hätte gerne einen Kasten Bier. Meinen Wunsch äußere ich klar und mit einer gewissen Demut. Denn das „Spielbacher Spezial Hell“ und das saisonale Bockbier gehen nirgends in den Verkauf. Das ist Kult, das ist Tradition, das ist legendär.

Spielbacher--3„Henn Se Leerguad?

Da ist sie: Die Frage nach meinem leeren Kasten „Spielbacher Spezial Hell“ – die Angstfrage. Denn wer nicht gegen Leergut tauschen kann, bekommt nichts. So war es in der Vergangenheit. Und das Spezial ist beliebt: Ein sauber-frisches Vollbier, extrem süffig, malzig ohne pappig und schwer zu sein, die Hopfennoten runden den fünfprozentigen Trinkgenuss perfekt ab. Die Kohlensäure verleiht dem Bier eine extrem weiche Cremigkeit. Das ist, was mich neben dem ungllaublichen Trinfluss so am Spielbacher freut.

Bevor viele sich weltweit auf die Suche nach Craftbeer-Erlebnissen machten, sprachen nicht wenige vom „besten Bier der Welt“. Etwas Besonderes ist die Flasche aus dem hohenloher-fränkischen Niemandsland in jedem Fall. Nicht nur, weil es noch schwerer zu bekommen ist als das andere „beste und begehrteste Bier der Welt“ Pliny The Elder aus Kalifornien.

Ich habe kein Leergut, damals artig abgegeben, als ich zum Studieren ins chwäbische Ausland bin. Schnell schiebe ich hinterher, dass ich ja von hier bin. Ziehen sich die Augenbrauen von der Alten zusammen?

Spielbacher--2„Wolled Se Bock odr Normal?“

Schnell entscheide ich mich für den Klassiker. Ich hab ihn wieder, ich hab ihn wieder: Einen Kasten, meinen Kasten Spielbacher Spezial Hell! Zwölf Euro, kein Pfand. „Abr bringed Se’n widdr zrügg.“ Das werde ich sicher. Ich zahle, nehme einen der roten Kasten vom Stapel. Der Ochsenkopf im Stern auf rotem Grund ist immer noch da. Es ändert sich nichts. Ich danke herzlich und fahre wieder nach Hause.

„Neggsch Joahr hämmer wieder Platz, wenn Se middr Kinner kumme wolled.“

Spielbacher--4

Advertisements