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Viel zu hell, das Blinzeln fällt schwer. Die Dusche rauscht, und er dreht sich Richtung Badezimmertür, bis ein Schmerz seinen Kopf durchfährt. Mindestens zehn Uhr verraten die Sonnenstrahlen,  die durch die halb geöffnete Tür auf sein Bett fallen. Ein Schatten stört: Er erkennt sein gestreiftes Badetuch, aber Schenkel und Po, die darunter zu sehen sind, gehören nicht zu ihm.

Jakob Donninger, was hast du letzte Nacht getan?

Nach der verkorksten Diskussion mit der Polizei am Nachmittag war er direkt zum Weinkulturabend in Marios Eck weitergezogen. Eine Aktion mit Bildergalerie, Lesung und Winepairing, da war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er nicht zu sehr angequatscht werden würde. Also genau sein Ding.

„Hast du irgendwo Aspirin?“ tönt es aus dem Badezimmer.

Jakob erkennt die Stimme wieder: Seine Nebensitzerin aus Marios Eck, als Eva hatte sie sich vorgestellt, klasse Weinwissen und kein Smalltalk, den er so hasste. Jakob konzentrierte sich mehr auf den Wein als auf das Pairing. Und Eva kannte Mario, den Inhaber von Marios Eck. Der brachte abseits der Flights ihr und Jakob zusätzliche Schätzchen aus den Regalen. Jakob musste kein Wort dazu tun. Angenehm.

„Aspirin ist die zweite Schublade, rote Box links vorne, zwischen Paracetamol und Magnesium,“ grunzt Jakob leise, um seinen Schädel nicht weiter zu provozieren.

Nach Marios Eck folgte ein Barstopp. Kurz. Danach zu ihm an die Hausbar. Ab hier wird es unvollständig. Noch mehr Wein. Sie hatten sein Mezcal-Regal durchprobiert. Mit ein paar Flaschen ging es ins Schlafzimmer.

Jakob blickt vorsichtig herum: Am Schrank steht eine, ein Korken liegt neben dem Bett. Ein Fleck auf dem Kissen duftet nach Rauch. Auf Jakobs Bauch klebt ein Etikett. Dann …

„Du hörst dich nicht gut an,“ tönt es aus dem Badezimmer.

„Orrrgh, ist doch klar: Du bist der Profi, nicht ich!“ gibt Jakob zurück.

„Danke! Es ist ungefähr 15 Jahre her, dass ich Weinkönigin war.“

Eva steht jetzt in der Badezimmertür: „Gibst du mir bitte meine Wäsche?“

Jakob schielt herum, ihr Slip hängt irgendwie an seinem Fuß. „Geht nicht, kann mich nicht bewegen“, stöhnt er, während sein Magen mit einem leichten Krampfen erwacht.

Die halbnackte Ex-Weinkönigin tritt ins Schlafzimmer: „Ich hatte mich bisher nie an Mezcal gewagt. Da gibt es ja richtig gutes Zeug!“ Eva sammelt ihre Klamotten rund ums Bett ein, bugsiert ein paar Beweise  der vergangenen Stunden in den Müll und schnippt einen losen Knopf durchs geöffnete Dachfenster. „Kannst du schon Frühstück?“

„Nach einem Smoothie aus Banane, Limette, Blutorange, Ananas und Ingwer und einen halben Liter Wasser kannst du mich wieder fragen.“

„Gut, leihst du mir was zum Überziehen, meine Bluse ist hin! Dann mach ich dir einen Kaffee dazu.“

„Du willst bleiben?“

„Klar, oder glaubst du, ich gehe hier weg, bevor ich nicht den versprochenen Romanée Conti wenigstens gesehen habe? Und ich das Geheimnis kenne, wie ein Freak wie du da dran kommt.“

„Ach, du Scheiße, das habe ich erzählt? Dann muss es wirklich Vollsuff oder Liebe gewesen sein.“

Eva grinst: „Das erste in jedem Fall. Am zweiten können wir arbeiten. Fürs nächste Date und dem Lüften deiner geheimen Weinquelle hast du mich ja schon eingeladen.“

„Hä?“ Das Erstaunen über seine eigene unerwartete Beziehungsfähigkeit bringt seinen flauen Kreislauf auch ohne Katerfrühstück auf Trab. „Was habe ich gesagt?“

„Irgendwas in die Richtung wie: Nächstes Mal bringst DU den Wein mit, ich nehme dich mit ins Darknet und wir knipsen uns dort die Lampen aus.“

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