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Einheimische pflegen zu sagen: Dublin hat kein Kneipenviertel , Dublin ist ein Kneipenviertel. In einem sind sich die Einheimischen einig: Abends geht man nicht nach Temple Bar. Temple Bar ist das Kneipenviertel für Touristen: überlaufen, überteuert – einen Dubliner zu treffen sei Zufall. Auf einem Pub Crawl, meiner Kneipentour, jenseits des Massentourismus der irischen Hauptstadt habe ich folgende Schätzchen ausgewählt:

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M. Hughes, 19 Chancery St, Smithfield

Vor einigen Jahren ist es etwas ruhiger im M. Hughes geworden. Der kleine Pub liegt hinter dem altehrwürdigen Gebäude Four Courts. Ein Teil der Gerichte sind umgezugogen. Und damit die Beamten, die nach Dienstschluss zum Guinness kamen. M. Hughes ist der Pub mit dem ältesten noch lebenden Inhaber und Namensgeber. Michael Hughes wird irgendwann an Martin übergeben. Dann passt immer noch der Name. Die Stoffbänke und -Sessel sind durchgesessen. Wie es sich gehört gibt es außer donnerstags auch Musik. Für den Guinness-Trinker ist ein anderer Umstand viel wichtiger: Einer der Barkeeper zapft hier seit mehr als 40 Jahren. Man sagt, hier gebe es das beste Guinness der Stadt.

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The Bernhard Shaw, 11-12 Richmond St South, Saint Kevin’s

Der große blaue Bus im Biergarten serviert Pizza. Dafür ist The Bernhard Shaw unweit des Geburtshauses des Schriftstellers im Dubliner Viertel Portobello am Grand Canal bekannt. Und für die Musik. Und für die bunte Bier- und Spirituosenauswahl. Das Schwarz des alten Gebäudes sticht gegen dem knallig gestalteten Außenbereich mit Biergarten und benachbarten Eatyard hervor. Innen ist es ähnlich: altes Mosaikgestein am Boden, moderne, beleuchtete Logos an den Zapfhähnen, viel junges Publikum. Ob der Big Blue Bus noch lange bleibt, ist fraglich. Wegen Lärmbelästigung soll er weg. Stimmt das?
Die Nachbargebäude wirken alle geräumt, hinter dem Biergarten ziehen Kräne einen neuen Büro- und Wohnblock aus dem riesigen Bauloch hoch.
Eine Online-Petition will die legendäre Pizza retten.

The Swan Bar, 58 York St, Liberties

Am morgen gegen 11.00: Der Barkeeper stellt uns erst einmal einen 12jährigen Powers auf den Marmortresen. Der Stein hat wenig mit Luxus zu tun, sondern diente im 19. Jahrhundert der Kühlung der Bierfässer darunter. Die Pumphähne ragen heute nur dekorativ hervor, Denkmalschutz. Die modernen Zapfhähne mit den beleuchteten Bierlogos prangen rechts und links daneben. Die eingelassenen Fässer der Rückwand sind leer. Kein Sherry, kein Whiskey, kein Brandy mehr. Im Nebenzimmer Rugby-Memorabilia. Ansonsten alles wie vor 300 Jahren im „Swan“ am Rande der Dubliner Liberties. Die verbreiteten Tiernamen für die Kneipen sind bewusst gewählt. Auch Analphabeten sollten den Pub finden.
Wir trinken aus, der Barkeeper öffnet offiziell. Den ersten Gästen schiebt er kurz nach 11 schiebt er die ersten Guinness über den Tresen.

The Black Sheep, 61 Capel St, Rotunda

Mit einem einheimischen Schauspieler zum Bier trinken in Dublin unterwegs: Auf eine Bierprobe machen wir Halt im Black Sheep, ein echt schwarzes Schaf der Pub-Kultur. Es wird oder wurde nicht vom gleichnamigen Besitzer geführt sondern von der Galway Bay Brewery aus dem Westen der Insel. Eine von 120 Craftbrauerein in Irland. Wir hatten das irische Ur-Bier „Red Ale“ (Nein, nicht Stout!), ein Chocolate Milk Stout und ein („echtes“ West Coast ) IPA, das mit Eldoroda kaltgehopft wurde. Im Erdgeschoss verbindet der Pub Wiener Kaffeehausatmosphäre mit Spielen an den Tischen und der schnoddrigen Bierseligkeit des öffentlichen Wohnzimners.

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