Blind Whisky Tasting No 10 – Ein paar Jubiläumsnotizen

Schlagwörter

, , ,

Vor dem Bildschirm und der Kamera hocken, Whiskyproben vor sich und mit ein lustigen, interessierten und engagierten Gruppe sammeln, was einem zur Probe einfällt. Das haben wir nun zum zehnten mal mit unserem Blind Whisky Tasting gemacht. Zum Jubiläum haben wir uns mit „Großen Namen“ beschäftigt

X 16. April: „Big Names“

Die ersten beiden Whiskys liegt der gleiche Blend aus Destillen wie Glen Grant, Bowmore, Glenrothes, Highland Park, Balmenach, Macallan, Inchgower, Glenfiddich und Longmorn zugrunde Jahrelange Lagerung in Ex-Bourbon Hogsheads und erst dann kommt der Unterschied: Eine mehrjährige Umlagerung und Finishing der eine im Oloroso Sherryfass, der andere in Portweinfässern. Ohne künstliche Farbstoffe und non-chill-filtered.

X-1. Macallan Quest:

Highland Single Malt Scotch Whisky: Der schottsiche Spirituosenkonzern Edrington (dem auch Famous Grouse oder Highland Park gehören) positioniert die Marke bewusst als luxuriös. In der Quest Collection – dem Einstiegssegment in die Macallan-Linie – wird die Suche Macallans nach den besten Sherryfässern beschrieben. Für Quest wurden amerikanische Bourbonfässer, Sherryfässer aus europäischer und amerikanischer Eiche und die Macallan Hogsheads miteinander kombiniert. Ein 1926er 60 Jahre alter Macallan ist 1019 als teuerster Whisky der Welt für knapp 1,5 Millionen Pfund versteigert worden. Der erfolgreiche Auftritt in James Bond Filmen wie zuletzt in „Skyfall“ tragen ebenfalls zum großen Namen bei. Wir erschnuppern reife Früchte, Pflaumenwein, Obstler, Leder, Gummi, einen scharfen Toilettenreiniger. Im Mund verschwindet die Frucht, es kommen verbranntes Karamell und etwas Holz zum Tragen. Insgesamt hat er wenig Tiefe, einen kurzer Abgang, er wirkt ausgedampft, die Eindrücke schnell verflogen, etwas dünn, was sicher auch an seinen 40 Vol % Alkohol liegt.

X-2. Suntory Hibiki Japanese Harmony:

Japan, Blended Malt: Der Suntory-Konzern entwickelte sich aus einer alten Destillerie und hat den japanischen Whiskymarkt und die Bedeutung Japans als Whiskynation geprägt. Heute hat Suntory in Japan einen Marktanteil von 70 Prozent und ist nach der Übernahme von Beam 2014 weltweit die Nummer drei und damit ein großer Name im Spirituosenmarkt . Die Übernahme von Beam war auch eine produktionspolitische Entscheidung: aus der Produktion von Jim Beam oder Maker’s Mark sichert man sich den eigenen Ex-Bourbon-Fass-Nachschub für Ardmore, Laphroig, Auchentoush oder die anderen Scotch-Marken. Auch Suntory Whisky haben Filmerfahrung: die Whisky-Fans Francis Ford und Sofia Coppola haben ihm einen Auftritt in Lost in Translation verschafft. Im Glas legt er deutliche Beinchen an. Der Japanes Harmony macht in der Nase einen weichen und wattigen Eindruck. Der Duft ist süß. Wir erschnuppern Parfum, Blumen, Karamell und Pattex. Auch der Geschmack ist karamellig, angenehm: Werthers Echte aus Uhu Flinker Flasche. Dann folgen Röstaromen, Toffee, Creme Brulee, Vanille, verbrannt und sahnig spielt gut ineinander. Er ist salzig, phenolisch. Wir finden Umami-Noten, nochmal Blumen, vor allem Veilchen, schöner und bitterer Abgang. Mit Wärme und Luft wird er noch weicher. 43 % Vol.

X-3. Rampur PX Sherry Fass:

Indien, Single Malt: Der indische Single Malt stammt aus Indiens viertgrößter Destillerie am Fuße des Himalaya. Indien ist ein großer Name beim Whisky-Konsum: Nirgendwo wird mehr Whisky getrunken. In der Nase kommt er uns künstlich, würzig-süß, spitz und sprittig daher. Es duftet nach Kaugummi, Kirsche, Schnupftabak. Das wirkt breit und platt, ist alleridngs Puffeffekt: Mit etwas Luft wird es eine Süße aufgelöster Gummibärchen (Red Bull) mit Pfeffer und der Duft einer traditionellen Schuhmacherwerkstatt. Der Geschmack setzt insbesondere Süße und Gummibärchen fort, alte Jogurette, Pattex. So ist auch der Nachhall. Für unsere Geschmäcker zuviel Kitsch, Kunst uns Süße. Finish in PX-Fässern. 45 Vol %

Wir haben einen Pedro Ximinez Sherry dazu probiert. Wenn man davon einen großen Schluck genommen hatte, waren die Fassnoten im Whisky nachzuvollziehen.

X-4. Lagavulin 16 Jahre

Islay, Single Malt Scotch: Der Lagavulin 16 gehört zu Diageos 13 Classic Malts, die Serie großer Namen, mit denen der Spirituosenkonzern die typischen Vertreter der Scotch Regionen vermarktet. In den Hallen der Lagavulin Destillerie verbirgt sich ein weiterer großer Name: Hier ist der Pot Still Apparat der Malt Mill integriert – der Produzent des legendären Whiskyfasses, von dem unter anderem der Film „Angle Share“ erzählt. Wir erschnuppern kalten Kaminrauch, dahinter kommt Süße, Umami, Leder, Hartgummi. Im Mund wirkt der Schluck kühlend mit einer Minznote, die sich fortsetzt, Tabak, ätherische Öle, Pfeffer, alle sehr fett und gut eingebettet. 43 Vol %

X-5. Ardbeg Uigeadail

Islay Single Malt Scotch Whisky: Der Scotch ohne Altersangabe reifte in Ex-Bourbon- (90 Prozent) und Sherry (10 Prozent)-Fässern. Ardbeg ist neben Glenmorange der große Name des französischen Konzern LVMH. Die Destillerie selbst ist hat eine lange geschichte von Schließungen und Wiederöffnungen hinter sich. Der Uigeadail ist das erste hochprozentige Destillat seit der letzten Wiederöffnung. Aus dem Glas strömt uns Lagerfeuerrauch entgegen, Alkohol- und Reinigungsmittel-Noten geben Schärfe mit, es folgt etwas karamellige Süße. Die Kombination aus Schärfe, brennendem Rauch und Süße macht direkt Nase und Hals frei. Der Alkohol ist deutlich, ebenso Zartbitteschokolade. Ein kantiger Charakter – das macht ihn spannend. Mit Wasser wird er viel weicher, cremig, die Sherrysüße kommt stärker heraus – was sich mit der Zeit noch alles verstärkt. Langer intensiver Abgang. 54,2 Vol %

Weiter geht’s am Freitag, 21. Mai, mit dem Thema „Whiskymacht Japan“ und am 18. Juni mit der „wilden Schottensuche“